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Stefanie Popp RAGTIME THEOREM

5. April · 19:0018. Mai · 18:00

Stefanie Popp

RAGTIME THEOREM

ZERO FOLD
Albertusstraße 4, 50667 Köln
Eröffnung Freitag, 5. April 2019, 19 – 22 Uhr, Laufzeit 6. April bis 18. Mai 2019
Öffnungszeiten Do – Sa von 14 –18 Uhr und auf Anfrage unter http://www.zerofold.de oder 0178/8474786

So wie bereits der Titel der Ausstellung zwei Begriffe kombiniert, deren Zusammenführung nur vermeintlich einen dritten, neuen Sinn ergibt, sind auch die Gemälde und Plastiken von Stefanie Popp eigentümliche Konglomerate, die lediglich auf den ersten Blick etwas unzweifelhaft Sinnhaftes haben.

Der Ragtime als Musikform ist weder etymologisch noch stilistisch eindeutig herzuleiten und somit stellt ein RAGTIME THEOREM als wissenschaftlicher „Lehrsatz“ eine Absurdität in sich dar. Ebenso führen auch Popps zunächst so gesetzt und konstruiert wirkende, mitunter symmetrische Kompositionen, mit ihrem klar konturierten Figurenrepertoire in gebauten Räumen, in die Irre: Die streng perspektivisch angelegten, bühnenhaften Interieurs sind bei näherer Betrachtung ähnlich enthoben wie ein Hortus Conclusus, der die Madonna oder das Gehäuse, das den Heiligen Hieronymus umgibt. Sie definieren Orte, die alles andere als konkret, sondern vollkommen von der realen Welt losgelöst und überzeitlich erscheinen. Die starken Synkopen des Ragtime begründen (nach einer von mehreren Theorien) die Herkunft seines Namens von „ragged time“ – zerrissene Zeit: Auch in den Gemälden Popps ereignen sich rätselhafte „Aussetzer“ – Bedeutungs- und Zeitsprünge wie im Traum, die hier wie dort mit einer eigenartig zwingenden Logik des Absurden zutage treten.

Die Künstlerin bedient sich, ähnlich wie in der Wahl des Ausstellungstitels, eher formal als inhaltlich einer komplexen Begrifflichkeit aus der Symbol- und Motivwelt christlicher Ikonographie, indischer Mythologie bis hin zur Popkultur. Diese Referenzen, die bei der Betrachtung auch unbewusstes kulturelles Wissen aktivieren und eine Art geistigen und psychischen „Bild-Widerhall“ erzeugen, erschaffen neue symbolhafte Setzungen und seltsam entrückte Protagonisten, „als würden die Figuren selbst träumen“, wie es die Künstlerin umschreibt. Diese sind voller Ambiguität, vereinen manchmal beide Geschlechter in sich, sind weder eindeutig gut oder schlecht. Ihre Zuordnung und Interaktion auf geschlechtlicher Ebene hat wenig erotischen Charakter, Sexualität tritt im spirituellen Sinne als höchste Vereinigung der Gegensätze in Erscheinung.
Die Figuren üben eine mysteriöse Anziehung auf den Betrachter aus, blicken ihn aus den Bildern hinaus an und halten ihn gleichzeitig in ihrer allegorischen Anmutung und hieratischen Beschäftigung mit sich selbst auf Distanz.

Analog zu den Gemälden, auf denen sich fein ziselierte, flächig deckende, kontrastreiche und scharf abgegrenzte Malpartien mit zart transparenten, ephemeren Zonen oder sogar der puren Leinwand gegenüberstehen und in einem spannungsvollen Verhältnis von Reduktion und Detailversessenheit die Balance suchen, zeigen auch die Plastiken von Stefanie Popp eine ambivalente Mischung aus gebauten, gezielt geformten und organischen Bestandteilen: Fundstücke aus der Natur wie z.B. Äste, denen die Elemente Wind, Wasser und Feuer einen amorphen und vieldeutigen Umriss verliehen haben, werden zusammengesetzt mit Versatzstücken der Kultur wie z. B. Buchseiten und -rücken. Oft bilden Bücher bei den dreidimensionalen Gebilden die Sockel oder bemalte Leinwände dienen als virtuelle Plattformen für die Szenerien auf den Bildern von Stefanie Popp – wie Fundamente kultureller Übereinkünfte, deren tragende Eigenschaften dennoch höchst fragwürdig scheinen.

Die Plastiken der Künstlerin wirken weniger geplant als gewachsen. In ihrer Wesenhaftigkeit, mit ihren manchmal offensiven sexuellen Verweisen, erzeugen sie im Betrachter ähnlich ambivalente Gefühle wie Fetische oder Ritualgegenstände fremder Kulturen, zugleich belustigend und beunruhigend, zwischen magischer Aufladung und naiver Verspieltheit changierend.

Stefanie Popp ist 1974 geboren und studierte bis 2003 an der HBK Braunschweig bei Walter Dahn. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Köln.

Stefanie Popp

RAGTIME THEOREM

Albertusstrasse 4, 50667 Cologne, Germany
Opening Friday, 5 April 2019, 7 p.m. – 10 p.m., Duration 6 April to 18 May 2019
Opening hours Th – Sa from 14 -18 o’clock and on request under http://www.zerofold.de
or +49 178/8474786

Just as the title of the exhibition already combines two terms, the combination of which only supposedly makes a third, new sense, the paintings and sculptures by Stefanie Popp are also peculiar conglomerates that only at first glance have something undoubtedly meaningful.

Ragtime as a form of music is neither etymologically nor stylistically unambiguously derivable and thus a RAGTIME THEOREM as a scientific „doctrine“ represents an absurdity in itself. Likewise, Popps‘ sometimes symmetrical compositions, which at first appear set and constructed, with their clearly contoured repertoire of figures in constructed spaces, also lead us astray: The strictly perspectival, stage-like interiors are, on closer inspection, similarly abstracted like a Hortus Conclusus, which surrounds the Madonna or the study of Saint Jerome. They define places that seem anything but concrete, but completely detached from the real world and timeless. The strong syncopations of the ragtime (according to one of several theories) justify the origin of its name from „ragged time“: in Popp’s paintings, too, mysterious „interruptions“ occur – leaps in meaning and time as in a dream, both here and there revealing a strangely compelling logic of the absurd.

Similar to the choice of the exhibition´s title, the artist uses a complex concept from the world of symbols and motifs of Christian iconography, Indian mythology, and pop culture, rather from a formal point of view than contentwise. These references, which when viewed also activate unconscious cultural knowledge and generate a kind of mental and psychic „image reverberation“, create new symbolic settings and protagonists, strangely lost in reverie, „as if the figures were dreaming for themselves,“ as the artist describes it. These are full of ambiguity, sometimes uniting both sexes, are neither clearly good nor bad. Their classification and interaction on a sexual level has little erotic character, sexuality appears in the spiritual sense as the highest union of opposites.
The figures exert an enigmatic attraction on the viewer, look at him out of the pictures and at the same time keep him at a distance in their allegorical appearance and hieratic preoccupation with themselves.

Analogous to the paintings, in which finely chiselled, flatly covering, contrast-rich and sharply delienated painting parts and delicately transparent, ephemeral zones or even the pure canvas face each other and seek balance in an exciting relationship of reduction and obsession with detail, Stefanie Popp’s sculptures also show an ambivalent mixture of constructed, purposefully formed and organic components: Findings from nature such as branches, which have been given an amorphous and ambiguous outline by the elements of wind, water and fire, are combined with cultural set pieces such as book pages and spines. In the three-dimensional structures, books often form the pedestals or painted canvases serve as virtual platforms for the sceneries in Stefanie Popp’s paintings – like foundations of cultural conventions, the supporting qualities of which nevertheless seem highly questionable.

The artist’s sculptures seem less planned than grown. In their essence, with their sometimes offensive sexual references, they generate ambivalent feelings in the viewer, such as fetishes or ritual objects from foreign cultures, which are iridescent, amusing and disturbing at the same time, between magical charge and naïve playfulness.

Stefanie Popp was born in 1974 and studied at the HBK Braunschweig with Walter Dahn until 2003. The artist lives and works in Cologne.

Details

Zeitraum:
Beginn:
5. April · 19:00
Ende:
18. Mai · 18:00
Thema:
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Veranstaltungsort

ZERO FOLD
Albertusstraße 4
Köln, 50667
Telefon:
+491788474786
Website:
www.zerofold.de

Veranstalter

Birgit Laskowski
E-Mail:
birgit.laskowski@zerofold.de