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Nschotschi Haslinger DER GEHEIME DIENST

18. Oktober · 19:0030. November · 18:00

ZERO FOLD
Albertusstraße 4, 50667 Köln
Öffnungszeiten Do – Sa von 14 – 18 Uhr und auf Anfrage
unter http://www.zerofold.de oder 0178/8474786 Please find English version below

In der Motivwelt von Nschotschi Haslinger ist es nicht gemütlich, es wuselt, kreucht, züngelt, alles wirkt in immerwährender Aktion. Selbst in den Szenerien, in denen die Protagonisten scheinbar rasten, bleibt eine anhaltende körperliche Spannung spürbar, wie in einem Kokon, unter dessen geschlossener Oberfläche sich schon etwas räkelt und ihn dehnt. Kreaturen und Dinge befinden sich in permanenter Handlungsbereitschaft und Metamorphose, wachsen ineinander und auseinander heraus. Diese stete Wandlung und Bewegung durchzieht auch die Medien der Künstlerin: In Performances, Videos, Gouachen, Graphit- und Tuschezeichnungen sowie glasierten Keramiken kehren einzelne Motive wieder, werden von einem Medium ins andere transferiert.

Haslingers Figurenrepertoire auf den bei ZERO FOLD gezeigten Tuschzeichnungen ist gleichzeitig geschäftig wie seltsam somnambul, weder gut noch böse. Die Interaktionen unter den die Zeichnungen bevölkernden, elfenhaften Wesen – halb Tier, halb Mensch – changieren zwischen unterschwelliger Grausamkeit und fürsorglicher Zärtlichkeit. Sie vollziehen Handlungen, deren Charakter sexuell oder rituell erscheint, die aber nicht einmal als symbolische Akte plausibel zu entschlüsseln sind. In ihrer physischen Nähe zueinander herrscht Bedrängnis wie Komplizenschaft, nichts ist explizit. Ihr Tun und möglicherweise Verrichten eines „geheimen Dienstes“ – ob im Sinne einer verborgenen Hilfeleistung wie die der Heinzelmännchen oder eher einer schwarzen Messe – entzieht sich der Zuordnung zu einem eindeutigen Sinn und Zweck. Es erscheint wie eine Spiegelung des rastlosen Treibens in unserer Gesellschaft, der von vielerlei Antrieben und Trieben wie Eitelkeit, Neid und Gier durchzogenen Betriebsamkeit unseres alltäglichen Daseins.

Die Staffelung von Figuren aufeinander und im Tiefenraum macht eine konkrete Verortung unmöglich: Ob Wald, Atelier oder Hexenküche, erinnern die Bildräume in Nschotschi Haslingers Tuschezeichnungen atmosphärisch an einen Zoom in ein Gemälde Pieter Bruegels oder die nicht näher definierten Orte in Francisco de Goyas Radierungszyklus Los Caprichos.

Eine sehr intensive Körperlichkeit, der man sich schwer entziehen kann, bestimmt die Darstellungen. Dennoch bleibt der Betrachter außen vor, wie ein heimlicher Zeuge der Walpurgisnacht, einerseits ausgeschlossen vom faszinierenden Geschehen, andererseits in ungewollter Introspektion ins eigene seelische Dickicht blickend.

Die Unke, in der Literatur wechselnd sowohl Tod als auch Glück bringend, hat wiederholte Auftritte in Haslingers Werken, hier vielleicht als melancholischer Rufer in der Rolle des Zweiflers und Pessimisten auch ein Verweis auf den geheimen Dienst der künstlerischen Existenz und deren heilendes wie destruktives Wirken? Wie gesagt, hier ist nichts eindeutig.

Auch angesichts der „Brennenden Taschen“ aus glasierter Keramik, die Haslinger seit 2018 schafft, beschleichen einen zwiespältige Gefühle von Verlockung und Gefahr. Wie opulente Blüten fleischfressender Pflanzen verführen sie mit Glanz und Farbe. Doch diese Taschen, Behältnisse des persönlichsten Habes, intime Anhängsel und modische Erweiterungen des Körpers, entwickeln ein bedrohliches Eigenleben. Ihre Öffnungen erweisen sich als zahnbewehrte aggressive Mäuler, aus denen verzehrende Flammen emporzüngeln – die ambivalente Erotik des Konsum, aber auch die drohende Selbstausbeutung im unermüdlichen „geheimen Dienst“ nicht nur des Künstlers. Die im System des Kapitalismus stets genährte Hoffnung auf Mehrwert und Gewinn verleitet dazu, sich selbst zu verbrennen.

Nschotschi Haslinger ist 1982 in Eitorf geboren, hat an der HBK Braunschweig bei Hartmut Neumann, Johannes Brus und Walter Dahn studiert, sie lebt und arbeitet in Berlin.

Die Künstlerin wird vertreten von der Galerie EXILE in Wien, ihre jüngste größere Einzelausstellung mit dem Titel Die untere Welt zeigte die Overbeck-Gesellschaft in der St. Petri-Kirche in Lübeck.

ZERO FOLD
Albertusstrasse 4, 50667 Cologne, Germany
Opening hours Th – Sa from 14 – 18 o’clock and on request
at http://www.zerofold.de or 0178/8474786

In Nschotschi Haslinger’s world of motifs it is not cosy, it is scurrying, creeping, flickering, everything works in perpetual action. Even in the scenes in which the protagonists seem to rest, a persistent physical tension remains perceptible, as in a cocoon, under whose closed surface something is already lolling and stretching it. Creatures and things are in permanent readiness to act and in metamorphosis, growing into each other and out of each other. This constant transformation and movement also permeates the artist’s media: in performances, videos, gouaches, graphite and ink drawings as well as glazed ceramics, individual motifs return, are transferred from one medium to another.

Haslinger’s repertoire of figures in the ink drawings shown at ZERO FOLD is both busy and strangely somnambulistic, neither good nor evil. The interactions between the elf-like beings populating the drawings – half animal, half human – oscillate between subliminal cruelty and caring tenderness. They perform actions whose character appears sexual or ritual, but which cannot even be plausibly deciphered as symbolic acts. In their physical proximity to each other there is distress like complicity, nothing is explicit. Their actions and possibly the performance of a „secret service“ – whether in the sense of a hidden help like that of the brownies or rather a black mass – elude assignment to a clear sense and purpose. It appears like a mirroring of the restless activity in our society, the activity of our everyday existence, interspersed with various drives and urges such as vanity, envy and greed.

The staggering of figures on top of each other and in the deep space makes a concrete location impossible: whether forest, studio or witch’s kitchen, the pictorial spaces in Nschotschi Haslinger’s ink drawings are atmospherically reminiscent of a zoom in a painting by Pieter Bruegel or the undefined places in Francisco de Goya’s etching cycle Los Caprichos.

The depictions are characterized by a very intense corporeality that is difficult to elude. Yet the viewer remains outside, like a secret witness to Walpurgis Night, on the one hand excluded from the fascinating events, on the other looking into his own mental thicket in unintentional introspection.

The toad, in literature varyingly bringing both death and happiness, has repeated appearances in Haslinger’s works, here perhaps as a melancholic caller in the role of the doubter and pessimist also a reference to the secret service of artistic existence and its healing and destructive work? As already said, nothing is unambiguous here.

Even in view of the „Burning Bags“ of glazed ceramics that Haslinger has been creating since 2018, ambivalent feelings of temptation and danger creep in. Like opulent blossoms of carnivorous plants, they seduce with brilliance and colour. But these bags, containers of the most personal belongings, intimate appendages and fashionable extensions of the body, develop a threatening life of their own. Their openings prove to be tooth-reinforced aggressive mouths from which consuming flames flicker up – the ambivalent eroticism of consumption, but also the threatening self-exploitation in the tireless „secret service“ not only of the artist. The hope for added value and profit that is always nurtured in the system of capitalism tempts people to burn themselves.

Nschotschi Haslinger was born in 1982 in Eitorf, studied at the HBK Braunschweig under Hartmut Neumann, Johannes Brus and Walter Dahn, and lives and works in Berlin.

The artist is represented by Galerie EXILE in Vienna, her most recent major solo exhibition entitled Die untere Welt was shown by the Overbeck-Gesellschaft in St. Petri-Kirche in Lübeck.

Details

Zeitraum:
Beginn:
18. Oktober · 19:00
Ende:
30. November · 18:00
Thema:

Veranstaltungsort

ZERO FOLD
Albertusstraße 4
Köln, 50667
Telefon:
+49 178 84674786 oder +49 221 20465917
Website:
www.zerofold.de

Veranstalter

Birgit Laskowski
E-Mail:
birgit.laskowski@zerofold.de