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JAN WENZEL, INSTANT HISTORY

8. Mai · 8:0027. Mai · 17:00

Vier Bilder in 28 Sekunden, Fotos ohne eigene Kamera, Kunst aus dem Automaten:
Die Ausstellung „Instant History“ ist eine Hommage des Künstlers Jan Wenzel an den analogen Fotoautomaten. Seit Mitte der 1990er Jahre erschafft Wenzel eigene Bildwelten, imaginäre Räume und serielle Stillleben, indem er die kleinen Passbildstreifen aus der Fotobox zu komplexen Bildtableaus montiert. „Instant History“ ist ein Selbstporträt der Maschine und eine Reflexion über das Verrinnen der Zeit.
130 Jahre nach dem ersten Patent ist der analoge Fotoautomat vom Aussterben bedroht und im öffentlichen Raum fast vollständig durch die digitale Variante ersetzt worden. Ursprünglich konzipiert, um jedermann mit Pass- oder Bewerbungsbildern zu versorgen, war auch das künstlerische Potential des Automaten, der nach Münzeinwurf in einem festen Rhythmus und unaufhaltsam vier Fotografien in 28 Sekunden erzeugt, bald entdeckt. Neben den Surrealisten im Paris der 20er Jahre, erschufen im Verlauf der Jahrzehnte viele Künstler*innen wie zum Beispiel Cindy Sherman, Andy Warhol oder Arnulf Rainer Kunst aus dem Automaten.

In der DDR gab es keinen „Fotofix“. So stand Jan Wenzel, geboren in Bautzen, im Herbst 1990 mit 18 Jahren das erste Mal vor so einem Fotoautomaten, der nach der Wiedervereinigung auch in seiner Kleinstadt aufgestellt worden war. „Mich faszinierte diese bildermachende Maschine, diese Synthese aus Kamera, Studio und Dunkelkammer. Mit Freunden lief ich damals abends oft zum Bahnhof, um Bilder in ihr zu machen.“
Mitte der 90er Jahre wurde der Fotoautomat für Jan Wenzel dann zu einer Art „Rekonstruktionsort“ und die Streifenfotos zu seinem zentralen künstlerischen Medium. Mit Requisiten aus den zahlreichen Abrisshäusern im Nachwende-Leipzig, Hinterlassenschaften der ehemaligen Bewohner, inszenierte und rekonstruierte er in der Serie FOTOFIX Bilderwelten und imaginäre Räume, die ihn an den verschwundenen Alltag seiner Kindheit in der DDR erinnerten.

Die Serie INSTANT HISTORY entstand 2008. Jan Wenzel: „Die Fotoautomaten […] waren inzwischen selbst am Verschwinden. Die analog arbeitenden Geräte waren von „Fotofix“ nach und nach durch digitale abgelöst worden. In INSTANT HISTORY versuchte ich diese seltsame Zeiterfahrung zu erfassen: wenn die Aufzeichnungsmedien, die das Verrinnen der Zeit festhalten, selbst ans Ende ihrer Zeit kommen.“
In INSTANT HISTORY richtet Wenzel das Aufzeichnungsmedium auf sich selbst und blickt ins Herz der Maschine. Ihr Innenleben – Stuhl, Vorhang, Blitzkondensator, Chemikalienbad, Papiertrommel, Transportkarussell oder Geldbehälter – wird dekonstruiert. „Ähnlich wie in der Schlusssequenz von Krzysztof Kieslowskis Film „Amator“, in der derjenige, der die Welt mit der Kamera eingesammelt hat, das Aufzeichnungsmedium am Ende auf sich selbst richtet, es zum Spiegel macht, ein Selbstporträt produziert, wird der Fotoautomat in INSTANT HISTORY selbstreflexiv. Die Teile der Maschine […] sind einzeln ins Bild gesetzt, bleiben statisch, fügen sich nicht mehr zu einem Ganzen zusammen. Eine Maschine, die über das Vergehen der Zeit reflektiert, müsste solche Bilder machen, dachte ich.“

Der Künstler Jan Wenzel , geb. 1972 in Bautzen, lebt und arbeitet heute in Leipzig. Er ist Mitgründer des Verlags Spector Books, einem Verlag am „Schnittpunkt von Kunst, Theorie und Designs.

Öffnungszeiten
So 15-18 Uhr

Sonderöffnungszeiten
Photoszene Wochenende
Fr. 10.05. 18-21 Uhr
Sa 11.05. + So 12.05. 11-19 Uhr

AIC-ON
Gemeinsames Wochenende der Kunstinitiativen Köln/Art Initiatives Cologne (AIC)
Sa 25.05. 15-19 Uhr
So 26.06. 12-16 Uhr

Details

Zeitraum:
Beginn:
8. Mai · 8:00
Ende:
27. Mai · 17:00
Thema:

Veranstaltungsort

FOTORAUM KÖLN
Herderstr. 88
Köln, 50935
Telefon:
01784798870
Website:
http://www.fotoraum-koeln.de/

Veranstalter

Rosanna D’Ortona
E-Mail:
rosanna@fotoraum-koeln.de