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GRLS BBYLON

7. September · 18:0019. Oktober · 22:00

Zur DC Open 2018 präsentiert SETAREH GALLERY Sebastian Riemers neue Ausstellung GRLS BBYLON. Die Eröffnung findet am 7.9.2018 um 18 Uhr statt.

Ausgangspunkt der intermedialen Auseinandersetzung sind vorgefundene Modeaufnahmen. Die Foto-grafien, die der wie ein Bilderforscher agierende Künstler in einem Schaufenster in Tel Aviv entdeckte, waren durch stetige Sonneneinstrahlung nicht nur ausgeblichen, sondern dabei sich zu zersetzen.

Beim Betrachten der morbid-schönen Aufnahmen mag man sich an eine Szene aus Fellinis Roma (https://www.youtube.com/watch?v=Wjtst-Vr87A) erinnern, in der bei unterirdischen Bauarbeiten durch Zufall eine mit prachtvollen Fresken geschmückte antike römische Villa freigelegt wird. Die dargestellten Figuren scheinen wie zu neuem Leben erweckt, doch die hereinströmende Luft vernichtet vor den entsetzten Augen der Betrachter die Bilder von einst, als würden sich die Abgebildeten in die vergangene Zeit zurückziehen, aus der sie gerade noch für einen Moment sichtbar waren. Einer ähnlichen Geisteshaltung scheint auch Riemer in seiner Arbeit zu folgen.

Er zeigt Modefotografie in Zersetzung und Auflösung, somit in Nichterfüllung ihres eigentlichen Anspruchs. Die Models können nicht ewig jung und vollkommen bleiben, so sind deren Abbildungen – wie in einer Variante der Dorian Gray Thematik – einem massiven Alterungsprozess ausgesetzt. Sie sind dabei zu zerfallen, sie lösen und schälen sich aus der Druckschicht, wobei nur einige dunkler konturierte Stellen erhalten bleiben. Dabei erstaunt es, dass der vorgefundene Zustand klimatische Gründe hat und in Mitteleuropa so gar nicht möglich wäre – zumindest noch nicht. Diese Auflösungstendenzen blieben – so scheint es – bei der Erfindung und Weiterentwicklung der Fotografie weitgehend unberücksichtigt. So könnte man meinen, das Medium sei aufgrund seiner Materialeigenschaften ein eurozentrisches Projekt.

Doch nicht nur der Bildträger, auch der Bildinhalt spiegelt in seinem einheitlichen Schönheitsideal eines vermeintlich internationalen Modestandards einen gewissen Eurozentrismus wider. Der „europäisch-kaukasische Look“, wie es in der Modebranche oft heißt, ist selbst in Ländern präsent, deren Bevölkerung einem solchen „Menschentypus“ nicht entspricht. So wirken die zerfallenden Bilder wie Relikte einer westlich geprägten Weltanschauung, die gerade dabei ist ihr Gesicht zu verlieren.

Die zur Ausstellung erscheinende 16-sprachige Künstlerpublikation greift den Gedanken der Austausch-barkeit und damit verbundenen Verwirrung universell einsetzbarer Standardbilder auf und überträgt den Aspekt der künstlerisch-medialen Übersetzung auf eine sprachlich-textliche Ebene. Dafür wurde der vielfach übersetzte Text der israelischen Kunsthistorikerin Michael B. Ron den Werken gegenübergestellt.

Den in der Fotografie immer wieder gestellten Fragen nach Autorenschaft und Verfügbarkeit der Bilder, begegnet Sebastian Riemer in konsequenter Weise und zeigt auf, dass es heutzutage immer noch relevant sein kann Fotografien zu realisieren, sie zu transformieren und als Kunstwerke an die Wand zu hängen. Indem Riemer die Modelbilder hochauflösend aufnimmt und sie großformatig aufzieht, sodass deren Rasterpunkte sichtbar werden, holt er den Betrachter dicht an die Motive heran. Dadurch schafft er eine Unmittelbarkeit, in der er den Fokus auf in die Motive projizierbare Themen wie Medienreflexion, Kolonialkritik, westliche Standards und Migration legt und so Fragen von gesellschaftlicher Aktualität ästhetisch verhandelt.

Riemer konserviert Verfallszustände von wahrscheinlich nicht mehr existenten fotografischen Ruinen. Das Festhalten des Haltlosen, die Fotografien sich auflösender Fotos unterstreichen den mit dem Medium seit jeher verbundenen Wunsch die Zeit anzuhalten und verbildlichen gleichzeitig die Vergänglichkeit des zu bannenden Augenblicks. Gerade in der Morbidität der abblätternden Aufnahmen von Models, die uns einen letzten verführerischen Blick zuwerfen, in diesen flüchtigen Momenten liegt die eigentliche Schönheit des gerade noch Abgebildeten, dass erst im Moment seines Zerfalls aus seiner eigentlich trivialen Funktion herauszutreten vermag. Die Fotografien, die der wie ein Bilderforscher agierende Künstler in einem Schaufenster in Tel Aviv entdeckte, waren durch die stetige Sonneneinstrahlung nicht nur ausgeblichen, sondern dabei sich zu zersetzen.

Details

Zeitraum:
Beginn:
7. September · 18:00
Ende:
19. Oktober · 22:00
Thema:
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Veranstaltungsort

Setareh Gallery
Hohe Straße 53
Düsseldorf, 40213
Telefon:
+49 (0)211 86817272
Website:
setareh-gallery.com

Veranstalter

Giorgio
E-Mail:
info@setareh-gallery.com