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EDMUND CLARK UNSEEN CONFLICTS – War on Terror

7. September · 18:0010. November · 16:00

Das Werk des vielfach preisgekrönten britischen Künstlers Edmund Clark reflektiert Geschichte, Politik, sowie die Mittel ihrer Repräsentation in einer vielschichtigen Kombination aus diversen Medien wie Fotografie, Film, Textdokument und Installation. Auf der Grundlage eines fotografischen Ansatzes konzentrieren sich die Arbeiten von Edmund Clark thematisch auf Machtsysteme und Mechanismen der Staatskontrolle. Insbesondere liegt das Augenmerk des Fotografen, der als Mitglied der britischen Presse erstmals Zugang zum Gefangenenlager Guantánamo erhielt, auf den umwälzenden gesellschaftlichen Veränderungen seit den Terroranschlägen von 9/11.

Fotoserien wie “Negative Publicity. Artefacts of Extraordinary Rendition” zeigen die weitreichenden und die Normalität des Alltags beeinträchtigenden Folgen des Krieges gegen den Terrorismus auf. Die Serie ist zwischen 2011 und 2016 in Zusammenarbeit mit dem Antiterror-Experten Crofton Black entstanden, der als einer der Hauptzeugen vor dem EU-Parlament und dem EU-Gerichtshof zur Verurteilung von Polen und Litauen beitrug, auf deren Boden die CIA verborgene Haftanstalten errichtet hatte. In „Negative Publicity“ beleuchtet Clark Fälle von „Extraordinary Rendition“, womit das Entführen und Überführen einer Person von einem Staat zum anderen ohne juristische Grundlage bezeichnet wird. Anhand von Rechnungen, Quittungen und anderen Nachweisen von Unternehmen, die an der Durchführung dieser Gefangenentransporte beteiligt waren, werden diese weltweiten „Bewegungen“ zwischen geheimen Aufenthaltsorten und Gefängnissen dokumentiert. Begleitet werden diese Belege von Fotografien privater Wohnhäuser, Hafteinrichtungen, Firmen- und Regierungssitze, zwischen denen sich das internationale Netzwerk von der Landkarte getilgter, „schwarzer Schauplätze“ der CIA spannt. Für dieses Projekt erhielt Clark, gemeinsam mit Crofton Black, einen ICP Infinity Award (2017, https://www.youtube.com/watch?v=izIPcV2x2-k).

Die Serie „Control Order House“ (2011) ist das Ergebnis des Aufenthalts von Edmund Clark in einem Haus, das als Ort der Festnahme eines Mannes diente, der verdächtigt wurde, terroristischen Aktivitäten nahezustehen. In 3 Tagen und 2 Nächten, die Edmund Clark 2011 gemeinsam mit dem Bewohner in dieser Einrichtung verbrachte, entstanden über 500 Ansichten. Es sind schnelle Aufnahmen, die mit automatischer Blitzlichteinstellung und Weitwinkelobjektiv, aber ohne kompositorische Einflussnahme zustande kamen: Dokumente einer Inhaftierung in häuslicher Umgebung. Die numerisch ausgewiesene Reihenfolge legt nahe, dass es sich hier um eine geschlossene Sequenz, um eine lückenlose Dokumentation handelt. Der unter Beobachtung stehende Protagonist jedoch, dessen Gegenwart letztlich durch die exakte Wiedergabe seines Wohnraums evoziert wird, fehlt. Stattdessen findet sich auf dem beklemmenden Parcours eine Detaildichte, die das Fehlen einer persönlichen Einrichtung umso offensichtlicher werden lässt. Wie eine Spurensuche dringt die Kamera in Ecken und Nischen, um Indizien einer menschlichen Präsenz aufzudecken. Unheimlich erscheint dabei die (an den Autoritäten vorbeigeschmuggelte) Katze als einziges Lebewesen. Die Spannung verborgener (Bild-)inhalte durchdringt jede einzelne Aufnahme.

Auch die Serie „Letters to Omar“ (2010, https://www.fotomuseum.ch/de/explore/situations/30612) veranschaulicht die Beschneidung der Freiheit des Individuums zur Prävention terroristischer Unternehmungen. Hier versammelt Edmund Clark eine Auswahl an Briefen und Karten, die der Insasse Omar Deghayes während seines sechsjährigen Aufenthaltes im Gefängnis Guantánamo erhalten hat. Es handelt sich hierbei um Schriftstücke, die von Familienangehörigen, aber auch von Unbekannten verfasst wurden und deren Inhalte vor der Zustellung an den Empfänger in Guantánamo manipuliert und zensiert wurden. Omar erhielt eine bloße, mit einer Referenznummer versehene Kopie des Originalschriftstücks. Diese verfälschten, in ihrem Wert geminderten, abstrahierten Gesten der Unterstützung werden zu Zeichen staatlicher Machtausübung und einer durch Verfolgung und Verdächtigung bedrängten Wahrnehmung, die letztlich zu einer zunehmenden Halt- und Orientierungslosigkeit beiträgt.

In „Mountains of Majeed“ (2014) stellt Clark fotografische Aufnahmen des US-Luftwaffenstützpunktes Bagram in Afghanistan und Gemälde des lokalen Künstlers Majeed gegenüber. Hier treffen hochaufgelöste Bilddateien, die aus dem eingezäunten Areal der Militäranlage heraus die im Hintergrund sich majestätisch erhebende Bergkette des Hindukusch dokumentieren, auf die idealisierte malerische Darstellung üppig grüner und gebirgiger Landstriche derselben.

Es geht Clark um die Dokumentation, um die Fotografie, um das Bild überhaupt, dessen immanente Eigenschaften – Farbe und Form – mit vorgefassten Meinungen und einseitigen Inhalten in Übereinstimmung gebracht werden und daher nicht verbindlich einer „Wahrheit“ entsprechen können. Seine Werke fordern dazu auf, die Erzählungen und Prozesse “hinter den Bildschirmen zu erkennen, durch die wir die Bilder wahrnehmen, die Filter, die unsere Eindrücke manipulieren.“

Die aktuelle Ausstellung bei Parrotta Contemporary Art beruht in ihrer konzeptuellen Ausrichtung und Werkauswahl auf der umfassenden und vielbeachteten Präsentation „Terror Incognitus“ (2016) in Zephyr. Raum für Fotografie, Reiss-Engelhorn-Museen, Mannheim.

EDMUND CLARK

Das Werk von Edmund Clark wurde in großen Einzelausstellungen in bekannten Museen und Institutionen präsentiert, darunter in jüngster Zeit dem International Center of Photography Museum, New York, dem Imperial War Museum, London, und dem Zephyr. Raum für Fotografie, Reiss-Engelhorn-Museen, Mannheim.

Seine Arbeiten sind in namhaften nationalen und internationalen Sammlungen vertreten, wie dem ICP Museum und dem George Eastman House in den USA, sowie dem Imperial War Museum und dem National Media House in Großbritannien.

Vielfach ausgezeichnet, erhielt Edmund Clark die Royal Photographic Society Hood Medal für herausragende Fotografie im Dienste der Öffentlichkeit, zudem wurde ihm der British Journal of Photography International Photography Award verliehen. Clark wurde 2014 für den Henri Cartier-Bresson International Award, 2012 für den Prix Pictet und 2011 für den Deutsche Börse Photography Prize nominiert. Auch seine Publikationen wurden mit zahlreichen Preisen bedacht, u.a. „Guantánamo: If the Light Goes Out“ als bestes Buch des Jahres 2011 bei den New York Photo Awards und den International Photography Awards / The Lucies Awards sowie „Negative Publicity“ als Gewinner des ersten Foto-Text Buch-Preises der Les Rencontres de la Photographie, Arles (2016).

Details

Zeitraum:
Beginn:
7. September · 18:00
Ende:
10. November · 16:00
Thema:

Veranstaltungsort

Parrotta Contemporary Art
Brüsseler Str. 21
Köln, 50674
Telefon:
0221 92355901
Website:
www.parrotta.de

Veranstalter

Bettina Haiss
E-Mail:
bettina.haiss@parrotta.de