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Fixiert – Image und Imagination

22. November 2019 · 18:0024. Januar 2020 · 18:00

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kuratiert von Christian Gögger

JÜRGEN ALTMANN, EDWARD BEIERLE, SCARLET BERNER, KURT BENNING,
DIETER BLUM, WOLFGANG GÄFGEN, JUTTA GÖRLICH, DIETMAR HENNEKA, MANFRED KAGE, RENÉ KANZLER, ADOLF LAZI, GUIDO MANGOLD, WILL MCBRIDE, MARCUS NEUFANGER, ULRICH SCHMITT, MENJA STEVENSON

Am Samstag, den 23. November 2019 um 12 Uhr führt der Kurator Christian Gögger in die Ausstellung ein und spricht mit den anwesenden Künstlern über ihre Arbeiten in unseren Räumen auf Burg Lede in Bonn. Christian Gögger ist Kunsthistoriker, Autor, Kurator und künstlerischer Leiter des Kunstvereins Esslingen.

Die Fotografie hat sich in den letzten Dekaden gegenüber den anderen Bildgattungen zu einem gleichwertigen künstlerischen Medium entwickelt. Diese dynamische Emanzipation aus dem spezifischen Bildverfahren in eine breitgefächerte Kunstform beeinflusst Produktion und Rezeption gleichermaßen., wobei alle Bereiche der Fotografie Anerkennung findet Vor diesem Hintergrund versammelt die Ausstellung in unseren Standorten Köln und Bonn 17 Positionen aus den unterschiedlichsten Zusammenhängen. Vertreten ist die Fotografie als Dokument, als Werbung, als Kommentar; Fotografie aus und für Politik, Ökonomie und Gesellschaft; Fotografie als Kunst und schließlich Fotografie, die sich selbst reflektiert.

Die Digitalisierung hat sowohl die Herstellung des Bildes revolutioniert als auch unsere Wahrnehmung von Fotografie nachhaltig geprägt. So ist die der Fotografie wesentliche Abbildungsfunktion von Wirklichkeit zunehmend in den Hintergrund getreten, während Manipulation und freie Gestaltung zu vorherrschenden bildgebenden Verfahren werden. Alles durch den Fotoapparat Fixierte, durch den Computer Bearbeitete befindet sich im Spektrum zwischen Image und Imagination und liefert reichlich Material für den ästhetischen Diskurs.

Nicht nur die Fotografie und ihr Kontext haben sich verändert, sondern auch die Auffassung als eigenständige Kunstform hat sich zunehmend etabliert. Der Betrachter ist für diesen künstlerischen Mehrwert, der durch die Präsentation zusätzlich verstärkt wird, empfänglich, und bereit, sich auf das Versprechen für eine verbindliche Metaerzählung einzulassen.

Die Ausstellung Fixiert – From Image to Imagination führt Fotografien aus verschiedenen Bereichen zusammen, um die Bandbreite der Tendenzen im Umgang mit dem fotografischen Medium zu beleuchten: Porträt, Landschaft, Werbung, Street-Photographie, Reportage, Fotogramm, Sachaufnahme, Zeitdokument, Serie, analytische und subjektive Fotografie, aktuelle wie historische Aufnahmen.

Die beiden Fotojournalisten Guido Mangold und Will McBride haben in den 1960er-Jahren für das Magazin twen das Selbstverständnis der jungen Bundesrepublik bebildert. Einige ihrer Fotos haben als Inkunabeln ins deutsche kollektive Gedächtnis Eingang gefunden: Willy Brandt neben John F. Kennedy im offenen Wagen; die Porträts von Donna Summer und Uschi Obermaier; die über viel Jahre das Magazin GEO prägenden Landschafts- und Kulturaufzeichnungen.

Wenn es „Werbe-Ikonen“ gibt, dann wohl auch „Werbe-Ikonographen“. Die inszenierten Magazinfotos von Dietmar Henneka und Dieter Blum für Mercedes, Porsche, Shell und Marlboro sind legendär. Als jüngeres Pendant gehört hier auch Jürgen Altmann dazu. An das Ortsspezifische seiner Erzählwelten knüpft seine unmittelbare Street-Photography an.

Jutta Görlich und Edward Beierle fangen in ihren Fotoperformances Gerüchte und Geschichten aus dem Dorfleben in Straubing ein und spiegeln sie an Toren, Fenstern und Mauern in den Dorfalltag zurück.

Scarlet Berner bedient sich der Fotografie als eine Art Selbstvergewisserung eigener Arbeit in anderen Zusammenhängen. Sie nimmt sich die amateurhaft wirkenden Abbildungen aus Carl Einsteins Buch Negerplastik von 1915 zum Vorbild und arrangiert mit Scherenschnitten aus Zeitungspapier eigene Fotos welche die Wiedergabe primitiver Plastik suggerieren neu. Im beinahe Unkenntlichen offenbart sich das Typische.

Ulrich Schmitt und René Kanzler hinterfragen das Medium Fotografie systematisch. Schmitt widmet sich mit Akribie der Geschichte der mit der Fotografie verbundenen Chemographie, René Kanzler arbeitet auf der Basis soziologisch-wissenschaftlicher Voraussetzungen für die Bildproduktion und -rezeption.

Marcus Neufanger markiert einen Gegenpol zur Lichtbildnerei: er zeichnet! Seine Porträts fixieren internationale Stars der (Foto-)Kunstszene, typisiert in Bild und Wort.

Für die junge Fotografin Menja Stevenson ist das Medium Fotografie schon umstandslos ein künstlerisches. Ganz selbstverständlich zeichnet sie in ihren Arbeiten urbane Impressionen Tokios in Farbe und Form auf und überführt sie in diaphane Leuchtkästen.

Einer der bedeutendsten Wissenschaftsfotografen hat seine ersten Exponate im Kontext der ZERO-Kunst der 1960er-Jahre vorgestellt. Manfred Kage ist u. a. der Pionier für die polychrome Fotografie durchs Mikroskop und die Sichtbarmachung von Ton und Schall mit psychedelischem Effekt.

Für eine moderne, ästhetische Sachfotografie steht die Arbeit von Adolf Lazi, einem Fotopionier, der ab den 1930er-Jahren bildnerische Maßstäbe setzte und sie in seiner Stuttgarter Fotoschule auch lehrte. Hansi Müller-Schorp leitete ab 1980 das Fotostudio von Willi Moegle, ein weiterer bedeutender deutscher Produktfotograf. Bemerkenswert früh entstehen ihre perfekten, kühl poetischen Stillleben, auf der Basis dieser kommerziellen Sachfotografie.

Die Künstler Wolfgang Gäfgen und Kurt Benning eint der Umstand, dass die Fotografie nur einen Teil ihrer künstlerischen Arbeit ausmacht. Für ersteren eröffnet das Fotografieren einen obsessive Parallelwelt zum Zeichnen, Malen und Drucken. Ein sehr eigener surrealer Kosmos aus Licht, Schatten und Spiegelung wird darin aufgespannt. Benning dagegen zeichnet auf, dokumentiert, überhöht: im Porträt, auf der Straße, im Erfassen von Objekten. Zuletzt, 2017, ehrte ihn eine große Präsentation im Museum Kolumba in Köln.

Details

Zeitraum:
Beginn:
22. November · 18:00
Ende:
24. Januar 2020 · 18:00
Thema:

Veranstaltungsort

Parrotta Contemporary Art
Brüsseler Str. 21
Köln, 50674
Telefon:
0221 92 35 59 01
Website:
www.parrotta.de

Veranstalter

Sandro Parrotta
E-Mail:
sandro.parrotta@parrotta.de