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William Engeln: Heute hat die Orgel wieder schön gespielt

4. November 2018 · 12:0020. Januar 2019 · 18:00

William Engelens (*1964 in Weert, Niederlande) Kunst ist ein Nachinszenieren von Räumen und Situationen. Mit dem Konzept „Heute hat die Orgel wieder schön gespielt“ holt er die historische Klausing-Orgel an ihren Ursprungsort zurück.

William Engelen ist ein Konzept-Künstler und Komponist, dessen vielfältiges Schaffen sich zwischen Klanginstallation, bildender Kunst, Happening, Performance und Musik bewegt. Seine Arbeiten zeichnen sich durch eine besondere Beziehung zwischen Klängen, der Spezifik des Raums und unwiederholbaren Situationen aus. Mit dem ironischen Titel „Heute hat die Orgel wieder schön gespielt“ verweist er auf ein Spiel mit Erwartungen und Wahrnehmungen, aber auch auf die Unsichtbarkeit von Instrument und Musiker. Kompositorisches Ziel der Ausstellung „Heute hat die Orgel wieder schön gespielt“ ist es, die Klausing-Orgel in das Osnabrücker Kirchenschiff, zu „translozieren“. Denn die Klausing-Orgel der Meller Matthäus-Kirche befand sich ursprünglich in der Kirche des Dominikanerordens in Osnabrück, wo heute die Kunsthalle beheimatet ist. Nach der Säkularisierung während der napoleonischen Kriege 1803 wurde die Orgel 1819 der Pfarrei in Melle übereignet. Engelen holt sie klanglich wieder zurück.

Engelens musikalische Werke sind zumeist graphisch notiert und der Neuen Musik zuzurechnen. Seine Partituren sind eigenständige Kunstwerke, die sich in die multimedialen Installationen einfügen. Wer das Programm der Kunsthalle aufmerksam verfolgt hat, konnte das Produktionsverfahren des Künstlers in den vergangenen Wochen mitvollziehen. Besucher*innen, die die Konzerte „Gebrauchsspuren“ (22. September) auf dem Platz vor der St. Katharinenkirche vor dem Lortzinghaus in Osnabrück oder die Uraufführung „Heute hat die Orgel wieder schön gespielt“ in St. Matthäus in Melle (14. Oktober) miterlebt haben, wurden mittels Videodokumentation Teil des Kunstwerks und sind nun der Ausstellung.

Es zeigt sich: Die medial geprägte Lebenswelt hat die Erwartungshorizonte des Publikums merklich verändert. Es scheint, als ob nicht mehr das Stoffliche, sondern das medial Verdichtete das Reale sein soll. Doch was bedeutet das für die Wirkungskraft von Kunst in der Gesellschaft? Ist Engelens Minimalismus ein Versuch, sich den Überwältigungsstrategien entgegen zu stellen? Kann Kunst gar die Verflüchtigungen und Entmaterialisierungen sinnlich rückverwandeln? Kann Kunst das Oszillieren zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit greifbar machen? Oder gewährt der Künstler durch die Offenlegung der Produktionsprozesse gar nur warnende Einblicke in das, was bei „Translozierungen“ verloren gehen kann?

Die zwölfteilige Komposition „Heute hat die Orgel wieder schön gespielt“ (14. Oktober, St. Matthäus Melle) folgte einer besonderen Anweisungssequenz: „Übernatürliche Wesen“, „Das Profane“, „Der Gesang der Engel“, „Beschwörung böser Geister“, „Eine Erscheinung mit Verspätung“ und „Der unbändige Kalkant“, angekündigt von sechs Intonationen. Die Komposition wurde von Stephan Lutermann auf der Klausing-Orgel eingespielt. Die Partitur „Gebrauchsspuren“ wurde vom kanadischen Pianisten Benoît Gagnon interpretiert.

Ausstellungen von William Engelen (Auswahl): Falten, Drawing Center, New York, USA; Partitur Belval, PAE, Belval, Luxembourg; Bienial de las Indas, Cartagena, Colombia; Drawing a universe, Kai 10, Düsseldorf; Mobile after Calder, Kunsthalle Wilhelmshaven; Ambitus, Kunstmuseum Kloster unser lieben Frauen, Magdeburg; I wish this was a song, Nasjonalmuseet for kunst, arkitektur og design, Oslo, Norwegen; Music Box, Haus am Waldsee, Berlin; Das Gespinst, Museum Abteiberg, Mönchengladbach, Extended composition, CentrePasquArt, Biel, Swiss; System und Sinnlichkeit, Kupferstichkabinett, Berlin.

Musikfestivals und Aufführungsorte (Auswahl): Maerzmusik, Berlin; Klangbrücken Hannover; Bludenzer Tage Zeitgemäße Musik, Bludenz; Ultima, Oslo; Gaudeamus Muziekweek, Utrecht; Issue Projectspace, New York; ZDF Hauptstadtstudio, Berlin; Akademie der Künste, Berlin; Bauhausbühne, Dessau; Stedelijk Museum, Amsterdam; Doelen, Rotterdam.

Die Ausstellung „Heute hat die Orgel wieder schön gespielt“ von William Engelen wird vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur unterstützt. Das Programm der Kunsthalle wird vom Freundeskreis der Kunsthalle gefördert. Die Kunsthalle Osnabrück dankt der Gebr. Rohlfing Musikland GmbH & CO. KG, der Loge zum Goldenen Rade, der Matthäus Kirchgemeinde in Melle und Stephan Lutermann und der Musik- und Kunstschule Osnabrück für die Zusammenarbeit. Im Januar 2019 präsentiert die Kunsthalle Osnabrück zusammen mit dem Künstler die neue CD, die das Projekt dokumentiert.

Abb.: William Engelen, Heute hat die Orgel wieder schön gespielt, Kunsthalle Osnabrück, 2018, Foto: Angela von Brill

Details

Zeitraum:
Beginn:
4. November · 12:00
Ende:
20. Januar 2019 · 18:00
Thema:

Veranstaltungsort

Kunsthalle Osnabrück
Hasemauer 1
Osnabrück, 49074
Telefon:
+49 (0)541-323 21 90
Website:
kunsthalle.osnabrueck.de

Veranstalter

Verena Voigt PR
E-Mail:
kontakt@verena-voigt-pr.de