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‚VISITEZ MA TENTE‘ at Warhus Rittershaus Cologne

10. November 2017 · 18:0022. Dezember 2017 · 18:00

Habima Fuchs, Louise Lawler,
Rade Petrasevic, Gerda Scheepers,
Martin Weidemann, Josef Zekoff

‚VISITEZ MA TENTE‘

Curated by Inci Yilmaz

Opening
Friday, November 10, 2017, 6-9pm

Exhibition
November 11 – December 22, 2017

Warhus Rittershaus
An der Schanz 1a
50735 Cologne
http://www.warhusrittershaus.de

Supported by Gaffel Kölsch

According to the German dictionary, the word „Fisimatenten“ signifies the colloquial „Sperenzchen“ (silly escapades). The dialect of the Rhineland, when using „Fisimatenten“, refers to a popular, though refuted, etymological anecdote: During the Franco-Prussian War in 1870-71, officers reputedly issued invitations to romantic trysts in their simple stationary homes with the invitation „Visitez ma tente“ („Visit my tent“).

The tent, as a very small and intimate unit of space, creates an interior and exterior by means of a simple construction, and establishes a spatial sociological situation, which makes for a temporary „possession of space“ with ensured protection and scope for unobserved action. From a purely formal point of view, a tent, depending on its type, is geometrically a pyramid. If one connects the anecdotal “Visitez ma tente” with an image of the most important pyramid in the world – the Cheops pyramid in Egypt – an effect emerges, which is known from the advertising industry: the false connection between word and image suddenly appears to be possible. It awakens an illusionary spatial connection of the interiors inherent in this design, and produces an imagination of physical presence. The pictorial attribution of the depiction of the pyramid’s outside, as „my tent“ evokes a fantastic spatial experience that undermines the idea of an unspectacular, cramped camping experience, and feeds delusions of grandeur, which are inherent in human beings. While the „tent experience“ is accessible to everyone, the „pyramid experience“ is much more complicated. Nevertheless, both spatial experiences are conceivable on the basis of the same geometrical character and our knowledge of material and construction. The form and the personal assignment allow the self to find itself in an outsized atmosphere, even without an empirical basis. The mind’s power of imagination, therefore, quite naturally connects the most banal space with the miracle exalted above all rooms, and appropriates the imagined interior without inhibition.

The exhibition VISITEZ MA TENTE focuses on the special relationship between the idea of a space, the physical orientation within an interior and the ultimate personal occupation of the space, and is devoted to the contemporary depiction of interior spaces and their sociological or atmospheric suggestion.

Das Wort „Fisimatenten“ bedeutet laut Duden umgangssprachlich „Sperenzchen“. Die rheinländische Mundart beruft sich bei der Verwendung von Fisimatenten auf eine widerlegte volksetymologische Anekdote: Während des Deutsch-Französischen Krieges im Jahre 1870/1871 sollen Offiziere mit der Aufforderung „Visitez ma tente“ („Besuchen Sie mein Zelt“) Frauen zum romantischen Stelldichein in ihre einfache stationäre Wohnstätte gebeten haben.

Das Zelt, als sehr kleine intime Raumeinheit, schafft mit einer simplen Konstruktion ein Innen und ein Außen und kreiert eine raumsoziologische Situation, die einen temporären „Raumbesitz“ mit gewährleistetem Schutz und unbeobachtetem Handlungsfreiraum schafft. Rein formal betrachtet, ist ein Zelt – je nach Typ – geometrisch als Pyramide zu bezeichnen. Verbindet man nun das anekdotische Visitez ma tente mit einer Abbildung der bedeutendsten Pyramide der Welt – der Cheops-Pyramide in Ägypten – entsteht ein Effekt, der aus der Werbebranche bekannt ist: Der eigentlich falsche Zusammenhang von Wort und Bild, erscheint durchaus möglich und weckt eine illusionäre räumliche Verknüpfung des zur Bauform gehörigen Interieurs und erzeugt eine Imagination von leiblicher Anwesenheit. Die bildliche Zuschreibung der von außen abgebildeten Pyramide als „mein Zelt“ ruft ein fantastisches Raumerleben hervor, das den Gedanken an ein unspektakuläres beengendes Zelterlebnis untergräbt und den dem Menschen innewohnenden Größenwahn reichhaltig nährt. Während die „Zelterfahrung“ für jedermann zugänglich ist, gestaltet sich die „Pyramidenerfahrung“ als weitaus komplizierter. Und trotzdem sind beide Raumerlebnisse aufgrund derselben geometrischen Beschaffenheit und dem Wissen um Material und Konstruktion gleichsam vorstellbar. Die Form und die personale Zuweisung gestatten dem Selbst auch ohne empirische Grundlage, sich in einer überdimensionalen Atmosphäre wiederzufinden. Die Imaginationsfähigkeit des Geistes verknüpft also ganz selbstverständlich den banalsten Raum mit dem über alle Räume erhabenen Wunder und macht sich das vorgestellte Interieur ohne Hemmung zu eigen.

Die Ausstellung VISITEZ MA TENTE greift thematisch die besondere Beziehung zwischen der Vorstellung eines Raums, der leiblichen Orientierung in einem Interieur und der schlussendlichen personalen Raumbesetzung auf und widmet sich dem zeitgenössischen Abbilden von Innenräumen und ihrer soziologischen bzw. atmosphärischen Suggestion.

Text Inci Yilmaz

Details

Zeitraum:
Beginn:
10. November 2017 · 18:00
Ende:
22. Dezember 2017 · 18:00
Thema:
,

Veranstaltungsort

Warhus Rittershaus
An der Schanz 1a
Cologne, 50735
Website:
www.warhusrittershaus.de

Veranstalter

Warhus Rittershaus
E-Mail:
galerie@warhusrittershaus.de