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StrzeleckiBooks zu Gast bei ZERO FOLD: ANDREAS MAUS Künstlerbuch und Edition in Kooperation mit dem Kunsthaus KAT18

13. November 2020 · 14:0019. Dezember 2020 · 18:00

StrzeleckiBooks zu Gast bei ZERO FOLD

Andreas Maus
ANDREAS MAUS
13. November – 19. Dezember 2020
Albertusstraße 4, 50667 Köln
Aufgrund der neuen Auflagen wegen COVID-19 wird keine gesonderte Eröffnung stattfinden.
Katalog und Edition sind zu den u.g. Öffnungszeiten von ZERO FOLD erhältlich.
Sonderöffnungszeiten Di + Do – Sa, 14 – 18 Uhr
und auf Anfrage unter +49 178 / 8474786 oder +49 221 823 69 45
Zur Präsentation erscheint der ZERO FOLDER No. 13.
http://www.zerofold.de
http://www.strzelecki-books.com
http://www.kunsthauskat18.de

Mit Unterstützung von
Stiftung Kunstfonds, Bonn
Harald und Hilde Neven DuMont Stiftung

Das Zeichenbuch von Andreas Maus umfasst gegenständliche und abstrakte Zeichnungen zu Geschichte, Krieg und Sport: Neben vielfach medialisierte Ereignisse – NS-Gräueltaten, Pegida-Demonstrationen und Olympische Spiele – treten Bilder, die Maus’ Verortung in Köln spüren lassen: Im Zweiten Weltkrieg zerstörte Kirchen, lokale Sportereignisse. Aus den zueinander bezugnehmenden oder kontrastiert aufeinanderprallenden Darstellungen ergeben sich so angedeutete Narrative, die dem Buch eine welterschaffende Kraft geben – eine dystopische, teilweise freundliche, teilweise kaum aushaltbar brutale Bildwelt entfaltet sich beim Blättern, schreitet filmisch fort und entwickelt einen eigentümlichen Sog.

Überschriften lassen die Zeichnungen zuweilen in ihrer Emblematik wie Briefmarken erscheinen, die Themenkreise oder Ereignisse verallgemeinernd darstellen, andere wie Kapitel-Deckblätter zu einem Roman, dessen Inhalt nur erahnbar bleibt. Andreas Maus hat das Buch zwischen 2013 und 2018 gezeichnet, mit Kugelschreibern und Finelinern. Flächen werden mit Kreisen, feinen Linien oder Vierecken mosaikähnlich ausgefüllt, zu Schwarz und Blau kommt zunehmend auch Rot hinzu, am Ende Grün – eine langwierige Zeichentechnik. Maus: “(…) und da frage ich mich, wer so einen großen Welzer mit seinen Kugelschreiberzeichnungen und seiner eigenen Handschrift komplett bis zu letzten Ecke ausfüllt, ganz schön verrückt, aber voll gut.”

Andreas Maus (*1964 in Köln) hatte u.a. Ausstellungen in der Galerie Rob Tufnell und im Kolumba Kunstmuseum in Köln, in der Bundeskunsthalle Bonn und im Museum Kampa, Prag. Seit 2007 arbeitet er im Kunsthaus KAT 18.
Andreas Maus ist Preisträger des euward 8. 2021 wird das Künstlerbuch neben anderen Werken im Haus der Kunst in München in der euward- Ausstellung präsentiert.

Andreas Maus
128 Seiten
136 farbige Abbildungen
Hardcover mit Leinenfälzel
H 28 cm x B 21 x
ISBN 978-3-946770-67-1
35,00 €
––––––––––––––––––––––––––
Ergänzend zum Buch erscheint eine Edition von drei Motiven, Offsetdruck auf Papier.
Format: 276 x 420 mm, Auflage: insgesamt 40 + 5 AP, Preis: 150,– Euro (ohne Rahmen / inkl. MwSt.) Vorbestellungen an: hallo@strzelecki-books.com

Über Andreas Maus

Andreas Maus widmet sich dem Trauma, ebenfalls gehen hier gesellschaftliches und persönliches Trauma eine Symbiose ein. Andreas Maus, am 9. März 1964 in Köln geboren, gehört einer Generation an, welche die NS-Zeit nicht selbst erlebt hat, aber immer noch geprägt ist von der Geschichte der NS-Diktatur, den Geschehnissen des Zweiten Weltkrieges und der Schuld des Holocaust. Einer Generation, die sich bis heute an der Elterngeneration der Täter und Kriegskinder abarbeitet.

Andreas Maus klagt an. Er sucht in seinen Darstellungen das Unfassbare, das Unvorstellbare sichtbar zu machen. Immer wieder zeichnet er furchtbare Gewaltszenen und nutzt dabei eine vereinfachte, schematisierte Zeichenweise, welche die Opfer entindividualisiert und die Taten anonymisiert. Ein einzelnes reales Ereignis einer bestimmten Person soll – abgesehen von wenigen Verweisen, beispielsweise auf Anne Frank – hier auch nicht erzählt werden, vielmehr sucht Andreas Maus das gewaltbereite, menschenverachtende System einer Gesellschaft zu erfassen und zu begreifen. Das Bild wird hier zum Abbild, ja zum Beleg des Geschehens. (…) Andreas Maus ist immer auf der Seite der Opfer, die geschändet werden.

Gesellschaftliche Ausgrenzung, Verleugnung und Verachtung, psychische und physische Gewalt, gar Vernichtung des „Anderen“ – die Grenzen sind fließend. Andreas Maus kennt sie, er hat sie selbst erfahren. Seine Geburt verlief mit Komplikationen und hinterließ in Folge eine geistige Beeinträchtigung. Er wurde zum Außenseiter, aggressiv auflehnend und in verschiedenen Institutionen untergebracht. Fürsorge hat er dort nicht erfahren, stattdessen Übergriffe und Gewalttätigkeiten sowie die Erkenntnis, wie schnell Menschen, die anders sind als andere, zum „Anderen“ bestimmt, gedemütigt und bekämpft werden. Wenn Andreas Maus uns sein Bilderbuch der Gewalt vorführt, formuliert er nicht nur eine Anklage, sondern immer auch Ohnmacht und Angst. Dabei bedient er sich unleugbarer historischer Geschehen, die nicht angezweifelt werden können und an Schrecken übertreffen, was er selbst erlebt hat, doch ihm mit Furcht allgegenwärtig sind.

Die systematische, ins Detail ausgearbeitete Vernichtung der Juden durch die Nazis kann als ein übergeordnetes System der Gewalt verstanden werden, in dem jede Form von (organisierter) Gewalt einer Gruppe gegen eine andere aufgeht. Die NS-Diktatur wird damit zum Inbegriff jeder gewaltbereiten Machtstruktur und die Juden zum Synonym des Leidens und des Opfers. Nicht hinterfragt wird von Andreas Maus die Problematik der Opferidentität und einer menschlichen Reduktion auf die jüdische Opferrolle. In der Aufarbeitung des Holocaust findet er einen Weg, sich auf einer Metaebene mit seinen persönlichen Erlebnissen auseinanderzusetzen, sie einem System unterzuordnen, das auch die eigene Verletzung entindividualisiert und im anonymisierten Opfer aufgehen lässt.

Dr. Monika Jagfeld, Museum schweizerische Naive Kunst und Art Brut, St. Gallen, CH

Please find English version below

StrzeleckiBooks guest at ZERO FOLD

Andreas Maus
ANDREAS MAUS
November 13 – December 19, 2020

Book presentation and edition in cooperation with Kunsthaus KAT18
Albertusstrasse 4, 50667 Cologne
Due to the new requirements because of COVID-19 there will be no separate opening.
The catalog and edition are available during the opening hours of ZERO FOLD.
Special opening hours Tuesday + Thursday – Saturday, 14 – 18 p. m.
and on request at +49 178 / 8474786 or +49 221 823 69 45
ZERO FOLDER No. 13 will be published to accompany the presentation.

http://www.zerofold.de
http://www.strzelecki-books.com
http://www.kunsthauskat18.de

Supported by
Stiftung Kunstfonds, Bonn
Harald und Hilde Neven DuMont Stiftung

The drawing book by Andreas Maus comprises representational and abstract drawings on history, war, and sports. In addition to events that are often mediatized in the media – Nazi atrocities, Pegida demonstrations, and the Olympic Games – there are images that make Maus‘ location in Cologne tangible: Churches destroyed in the Second World War, local sporting events. From the depictions, which refer to each other or collide in contrast to each other, intimated narratives emerge, which give the book a world-creating power – a dystopian, sometimes friendly, sometimes barely endurable brutal world of images unfolds on leafing through the book, progresses cinematically and develops a peculiar pull.

Headings sometimes make the drawings appear in their emblematics like stamps, generalizing themes or events, others like chapter covers for a novel whose content can only be guessed at. Andreas Maus drew the book between 2013 and 2018, using ballpoint pens and fineliners. Surfaces are filled with circles, fine lines or squares in a mosaic-like manner, black and blue are increasingly joined by red, and green at the end – a tedious drawing technique. Maus: „(…) and here I ask myself who fills such a big Welzer (»tome«) with his ballpoint pen drawings and his own handwriting completely up to the last corner, quite crazy, but totally good.

Andreas Maus (*1964 in Cologne) has had exhibitions in the Rob Tufnell Gallery and the Kolumba Kunstmuseum in Cologne, in the Bundeskunsthalle Bonn and in the Kampa Museum, Prague. Since 2007 he has been working at the Kunsthaus KAT 18.

Andreas Maus is the winner of the euward 8. In 2021 the artist’s book will be presented alongside other works at the Haus der Kunst in Munich in the euward exhibition.

Andreas Maus
128 pages
136 colored illustrations
Hardcover with linen folds
H 28 cm x W 21 x
ISBN 978-3-946770-67-1
35,00 €
––––––––––––––––––––––––––
In addition to the book, an offset print edition on paper of three motifs is published.
Format: 276 x 420 mm, edition: total 40 + 5 AP, price: 150,- Euro (without frame / incl. VAT). Pre-orders on: hallo@strzelecki-books.com
About Andreas Maus

Andreas Maus is dedicated to trauma, and social and personal trauma also enter into a symbiosis here. Andreas Maus, born in Cologne on March 9, 1964, belongs to a generation that did not experience the Nazi era itself, but is still influenced by the history of the Nazi dictatorship, the events of World War II and the guilt of the Holocaust. A generation that is still working on the parent generation of perpetrators and war children.

Andreas Maus denounces. In his depictions, he seeks to make the incomprehensible, the unimaginable visible. Again and again he draws horrible scenes of violence, using a simplified, schematized style of drawing that de-individualizes the victims and makes the deeds anonymous. Apart from a few references, for example to Anne Frank, a single real event of a certain person is not supposed to be told here. Andreas Maus rather tries to grasp and understand the violent, inhuman system of a society. The picture here becomes an image, even a document of the event. (…) Andreas Maus is always on the side of the victims who are violated.

Social exclusion, denial and contempt, psychological and physical violence, even destruction of the „other“ – the boundaries are fluid. Andreas Maus knows them, he has experienced them himself. His birth was accompanied by complications and as a result left him with a mental impairment. He became an outsider, rebelled aggressively and was placed in various institutions. There he did not experience care, but instead was assaulted and violent and realized how quickly people who are different from others are destined to be „different“, humiliated and fought against. When Andreas Maus presents us with his picture book of violence, he not only formulates an accusation, but always also powerlessness and fear. In doing so, he makes use of undeniable historical events that cannot be doubted and which exceed in horror what he himself has experienced, but which are omnipresent to him with fear.

The systematic, detailed extermination of the Jews by the Nazis can be understood as a superior system of violence in which every form of (organized) violence of one group against another is absorbed. The Nazi dictatorship thus becomes the epitome of every power structure ready to use violence and the Jews a synonym of suffering and sacrifice.
Andreas Maus does not question the problem of victim identity and a human reduction to the Jewish victim role. In coming to terms with the Holocaust, he finds a way to deal with his personal experiences on a meta-level, to subordinate them to a system that also de-individualizes his own injury and allows it to dissolve in the anonymized victim.

Dr. Monika Jagfeld, Museum of Swiss Naive Art and Art Brut, St. Gallen, CH

Details

Zeitraum:
Beginn:
13. November 2020 · 14:00
Ende:
19. Dezember 2020 · 18:00
Thema:
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Veranstaltungsort

ZERO FOLD
Albertusstraße 4
Köln, 50667
Telefon:
+49 1788474786
Website:
www.zerofold.de

Veranstalter

Birgit Laskowski
E-Mail:
birgit.laskowski@zerofold.de