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Pik zeigt: Field of Codes – Marcel Hiller, Julian Irlinger, Sven Johne, Hiwa K, Katrin Mayer, Max Schaffer / Eröffnung: 18.04.18, 19 h

18. April · 19:0019. Mai · 20:00

Field of Codes
Eröffnung: 18.04.18, 19 h
Zeitraum: 19.04.2018 bis 19.05.18

Ausstellung und Publikation
Marcel Hiller, Julian Irlinger, Sven Johne, Hiwa K, Katrin Mayer, Max Schaffer
Ilka Becker, Hans-Christian Dany, Fiona McGovern, Sarah Kolb, Kerstin Stakemeier, Marcus Steinweg

Wie sehen heutige Formen von Intervention aus und inwiefern ist dabei die Subversion herrschender Wissensformationen möglich? Was passiert, wenn die eigene kritische Haltung, das Stören, die Überraschung und das Brechen der Erwartungshaltung selbst schon erwartet oder gar vorausgesetzt werden? Die Künstler*innen der Ausstellung Field of Codes arbeiten mit Strategien, bei denen durch Wahrnehmungs-verschiebungen, Eingriffe und die Übertragung von Wissen aus einem vertrauten in einen fremden Bereich Bedeutungsebenen und Codes durcheinandergebracht werden. Es ergeben sich Fragen nach der Authentizität und dem Beweischarakter von Informationen sowie nach dem Spannungsverhältnis zwischen Fakt und Fiktion in der künstlerischen Arbeit.

Neben den Arbeiten der Künstler*innen erscheint eine Publikation, die als Erweiterung von Field of Codes gedacht, als zweite Ausstellung in Buchform, sich den im Raum verhandelten Themen auf sprachlicher Ebene nähert. Die Texte der eingeladen Autor*innen entwerfen ein Begriffsfeld, das mit den Arbeitsweisen und Interessen der Künstler*innen in der Ausstellung in Wechselwirkung tritt. Ilka Becker, Hans-Christian Dany, Sarah Kolb, Fiona McGovern, Kerstin Stakemeier und Marcus Steinweg greifen hierfür Begriffe aus theoretischen, aktivistischen, medialen und topologischen Bereichen auf, um sie auf die Fragestellung der Ausstellung zu beziehen.

Während Katrin Mayer, Max Schaffer und Marcel Hiller in ihrer Arbeitspraxis sehr stark auf den Ausstellungsraum und seine Begebenheiten reagieren und den Großteil ihrer Arbeit vor Ort entwickeln, reflektiert Julian Irlinger das Ausstellen als installatives sich-zum-Raum-Verhalten, das jedoch unabhängig vom konkreten Ortsbezug funktioniert. Die Videos von Sven Johne und Hiwa K bilden ihre eigenen Reflexionsräume.

Katrin Mayers Arbeitsweise ist eine Art der Archäologie des Wissens. Sie nimmt historische, häufig genderpolitische oder subkulturelle Narrative eines Ortes auf, um sie – ihre Aktualität prüfend – in eine räumlich-materielle Formulierung zu übersetzen. Dabei arbeitet sie gegen die Fiktion eines vermeintlich neutralen Raumes und zeigt dessen ständige Verflechtung mit Bedeutungen auf. Ausgewählte Spuren aus der Recherche werden derart neu montiert, dass sie spezifische Verschiebungen von Lesarten suggerieren. Es entstehen hybride, temporäre Settings, deren Materialität und Display zu wesentlichen Bedeutungsträgern werden, wobei sie vielfach über ihre Funktion als bloße Mittel hinausgehen. Als methodische Referenz fungiert für Mayer das Textile, in dem Musterbegriff und Strukturbegriff unauflöslich aufeinander bezogen sind und das stets geformt werden muss, um lesbar zu werden. Für die Ausstellung Field of Codes beschäftigt sie sich mit der Geschichte der Kölnischen Gummifäden-Fabrik, in deren ehemaligen Räumen der PiK heute angesiedelt ist.

Max Schaffer versteht seine Arbeit als prozessorientierte Versuchsanordnung innerhalb eines Kommunikationssystems, mit der er die gesellschaftlichen Beziehungen zwischen Menschen und Dingen, öffentlichem und institutionellem Raum untersucht. Für Schaffers Ausstellungspraxis ist charakteristisch, dass ergänzend zu den von ihm mitgebrachten Arbeiten auch Interventionen direkt vor Ort entstehen. 2012 entwendete er das Lüftungssystem der Wiener Secession, als es nach dem Ausbau zur Entsorgung im Hinterhof des Ausstellungshauses lag. Aus diesem Zusammenhang stammt auch die Arbeit Excessive Access von 2015. Zehn kreisförmige Metallscheiben wurden aus dem neu eingebauten Lüftungssystem der Secession herausgeschnitten, um die Rohre miteinander zu verbinden. Im Ausstellungsraum formulieren sie nun eine Verbindung von Innen und Außen und lassen sich als ironischer Verweis auf eine minimalistische

Formensprache lesen. Schaffer eignet sich diese Relikte aus dem institutionellen Zusammenhang an und präsentiert sie als flexible, auf die Wände des Ausstellungsraums verteilte Markierungen. Mit der Verschiebung von einem funktionalen in ein ästhetisches System thematisiert er darüber hinaus Fragen der Interpretation und Erwartungshaltung bei der Rezeption von Kunst.

Marcel Hiller ergänzt den Raum durch Stahlelemente. Diese lassen sich als Kontrapunkte zur Neutralität des Ausstellungsraums verstehen, die in ihrer Pseudofunktionalität nach etwas Unbekanntem im Konsens-raum der Repräsentation fragen. Waren seine Objekte früher oft unbearbeitet, so sind die neuen Arbeiten nur noch dem Schein nach Fundstücke oder Abfallprodukte. Die präzise gearbeiteten Objekte verhandeln den Skulpturbegriff jedes Mal aufs Neue. Hiller versteht seine Objekte als „fahrige Speicher struktureller Abläufe“, – der Fokus liegt nicht auf ihnen, sondern ist auf ihre Umgebung gerichtet. Damit ist ebenso die räumlich architektonische Umgebung gemeint wie auch ein Bedeutungsraum von Codes, sprachlichen und bildlichen Zeichen. Gruppiert mit Readymades, werden die Objekte zu improvisierenden Akteuren, die sich in vorhandene Strukturen einfügen und von der Brüchigkeit instituierender Prozesse berichten.

Sven Johne verbindet in seiner Arbeit Fiktion und Realität, um daraus sensible und widersprüchliche Konstellationen zu gewinnen. Die Protagonistin in Johnes Film A Sense of Warmth möchte ihrer digitalen, ausbeuterischen Büro-Arbeitswelt entfl iehen, um ihrem Leben mehr Sinn zu verleihen. Sie entscheidet sich dafür, einen Job in einem auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Ornithologen-Projekt auf einer idyllischen, sonnigen Naturschutz-Insel anzunehmen. Sie erträumt sich ein neues Leben im Einklang mit sich selbst und der Natur, ohne Ausbeutung, ohne Umweltzerstörung, kurz: ohne Kapitalismus. Doch ihr befreiender Eskapismus hat seinen Preis. Basierend auf Zeitungsberichten und persönlichen Gesprächen, vereint A Sense of Warmth die Erfahrungen der heutigen Aussteiger-Generation mit verdrängten Bildern und Narrativen der DDR-Geschichte.

Julian Irlingers künstlerische Praxis besteht aus Recherchen wie auch dem Sammeln und Zusammen-stellen von Fotografien, Texten und anderen Materialien, deren Funktion und Verbreitung er untersucht. In diesem Zusammenhang beschäftigt er sich mit Prozessen und Mechanismen der Zuschreibung sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Werts im Spätkapitalismus. So setzt er sich beispielsweise in Props mit den Zugangsbedingungen digitalisierter Museen auseinander: auf großformatigen Lentikulardrucken überblendet er die unterschiedlichen Perspektiven, die Internet-Usern beim digitalen Besuch der Frick-Collection von der Museums-Homepage einerseits und Googles Cultural Institute andererseits angeboten werden. Hier interessiert ihn besonders die Kluft, die zwischen dem digitalen und dem institutionellen Ausstellungs-raum entsteht. Durch ihre Präsentation auf Metallkonstruktionen erfahren die Lentikulardrucke eine Drama-tisierung, die den Bilddiskurs unterstreicht.

Sind „demokratische Formen des Protestes“ (Hiwa K) wirksam, haben sie aktuell Einfluss auf Veränderung und stärken sie demokratische Werte? Oder sind sie nur machtlose Formen der gesellschaftlichen Zusammenkunft ohne wirklichen politischen Einfluss und werden langsam zu bloßen öffentlichen Ritualen? Hiwa K hinterfragt in seinem Video May 1 die Naivität von Formen des öffentlichen Protestierens in Deutsch-land aus seiner Sicht als vor der Diktatur im Irak geflüchteter Kurde. Auf diese Weise werden eurozentrische Sichtweisen innerhalb von Protestkulturen und damit zusammenhängenden Subversionsstrategien über-prüft und in Frage gestellt.

Text: Markus Saile

Die Ausstellung konnte realisiert werden mit großzügiger Unterstützung von:
Kulturamt der Stadt Köln
Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen
Kunststiftung NRW
Förderkreis KunstWerk
KunstWerk Köln e.V.

Eröffnung: 18.04.18, 19 h
19.04.18 – 19.05.18
PiK – Projektraum im KunstWerk Deutz-Mülheimer Straße 127
51063 Köln
Öffnungszeiten: Do 16 – 20 h und Sa 15 – 19 h

Internetadresse: http://www.kunstwerk-koeln.de; http://projektraumimkunstwerk.tumblr.com/

Details

Zeitraum:
Beginn:
18. April · 19:00
Ende:
19. Mai · 20:00
Thema:

Veranstaltungsort

PiK – Projektraum Im KunstWerk
Deutz-Mülheimer Str. 127
Köln, 51063
Telefon:
0221/8800767
Website:
http://www.kunstwerk-koeln.de http://projektraumimkunstwerk.tumblr.com/

Veranstalter

Kultur KunstWerk
E-Mail:
kultur@kunstwerk-koeln.de