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Koen van den Broek – Tango in Paris

21. Januar · 16:0026. März · 17:00

Wir freuen uns, am 21. Januar 2022 Tango in Paris, unsere achte Einzelausstellung des belgischen Malers Koen van den Broek, zu eröffnen. Diese Ausstellung markiert eine inzwischen 16 Jahre dauernde Zusammenarbeit, was uns mit Stolz und Freude erfüllt.
Wie schon in seinen früheren Ausstellungen basieren auch die aktuellen Gemälde van den Broeks auf Fotografien, die der Künstler selbst aufgenommen hat. Ihm ist dieser Aspekt, dass er sich nicht Bildvorlagen dritter Personen bedient (und auf diese Weise einen Teil der kompositorischen Bildentstehung an eine dritte Person delegiert) und auch nicht Inhalte dritter Personen in sein Werk einbezieht, wichtig. Mit der Verwendung der eigenen Bilder komponiert van den Broek – auf formaler Ebene – die Bilder so, wie er sie haben will. Im Atelier werden dann aus einer Vielzahl an Fotografien diejenigen Bilder ausgewählt, die ihm für ein Gemälde geeignet erscheinen. Inhaltlich, so kann man es beschreiben, markiert er auf der Weltkarte die Orte an denen er sich aufgehalten hat, schafft ein visuelles Tagebuch. Bemerkenswert ist außerdem, dass der Prozess der Bildentstehung durch die Verwendung der eigenen Fotografien, die kaum verändert, allenfalls etwas abstrahiert, in die Gemälde übertragen werden, extrem ausgedehnt wird: Die Kunstwerke entstehen nicht allein und erst im Atelier, sondern schon unterwegs, auf seinen Reisen und im Kopf.
Wie der Ausstellungstitel vermuten lässt, liegen einigen der Gemälde aus Tango in Paris Fotografien zu Grunde, die in Paris entstanden sind. Die Reise dorthin in 2021 war nach den Monaten des Lockdowns die erste von Koen van den Broek unternommene Reise. Sie führte ihn nicht in die US-amerikanischen Wüsten oder Großstädte im Westen der USA, wohin er in früheren Jahren immer gefahren war, sondern an einen anderen Sehnsuchtsort, der auch schon zuvor in seinem Œuvre eine Rolle gespielt hat.
Paris ist aber nicht nur ein Sehnsuchtsort, sondern auch der Ort der Erfindung des ersten kommerziell nutzbaren Fotografie-Verfahrens. Es war maßgeblich von Louis Daguerre entwickelt worden. Genaugenommen bediente er sich einer Camera Obscura und belichtete für seine – von ihm dann so genannten – Daguerreotypien einen Bildträger, der das auf die Rückseite der Lochkamera projizierte Bild festhielt und damit verewigte. Diesen kurzen Exkurs in die Technikgeschichte der Fotografie erlaube ich mir deshalb, weil die Gemälde Koen van den Broeks, die er nach Fotografien von Bildern, die sich in Pfützen in Paris spiegelten, in zweierlei Hinsicht damit in Verbindung-stehend gesehen wer-den können:

Zum einen stehen Bilder, die auf der Rückwand einer Camera Obscura zu sehen sind, immer auf dem Kopf. Das tun die „Darstellungen“ nach den Spiegelungen in der Wasseroberfläche der Pfützen van den Broeks auch, als wären es Bilder einer solchen Lochkamera. Zum anderen sind die Bilder in einer Camera Obscura Momentaufnahmen eines ganz bestimmten Augenblicks. Wie wiederum die Bilder, die wir in Pfützen gespiegelt sehen. Der ganz präzise Ort, Winkel zur Pfütze, und Zeitraum, liefert uns ein ganz bestimmtes Bild. Bei jeder zeitlichen und räumlichen Verschiebung verändert es sich. Und erst durch die Belichtung einer lichtempfindlichen Oberfläche konnte die Fotografie die ihr zugesprochene Indexfunktion erlangen, erst mit der Bewahrung des Bildes lässt sich die Spur der Wirklichkeit ablesen. Auf diese Vergänglichkeit des ursprünglichen, quasi-fotografischen Bildes spielt van den Broek mit seinen Gemälden an, nicht zuletzt auch damit, dass solche abgebildeten Objekte, die gerade Kanten haben (wie zum Beispiel ein Laternenpfahl), wellig gemalt sind und damit die Bewegung der Wasseroberfläche in das (Ab-)bild der Wirklichkeit integrieren.
Noch ein anderer technischer Aspekt der Fotografie spielt in unser Ausstellung Tango in Paris eine Rolle: die beiden Gemälde On und Off zeigen denselben verrotteten Laster in der Wüste, und zwar in einem Moment kurz vor dem Sonnenuntergang. Für die beiden Bilder hat van den Broek sich nicht bewegt, sie sind vielmehr von genau der gleichen Stelle kurz nacheinander entstanden. Der Unterschied zwischen den beiden fotografischen Vorlagen ist allerdings, dass das eine Foto ohne, das andere mit Blitz entstanden ist. Der Blitz, den wir ja nicht in uns eingebaut haben und auch mit unserem menschlichen Auge, unseren biologischen Gegebenheiten nicht imitieren können, sondern nur mit den technischen Hilfsmitteln, die wir unter Umständen bei uns haben, führt zu einem völlig anderen Bild, zu völlig unterschiedlichen Dingen, die sich für unser Auge in den Vordergrund schieben. Die Abhängigkeit unseres Sehens, die technische Bedingtheit unserer Bilder führt uns van den Broek auf diese Weise vor Augen.
Während die Gemälde nach den Spiegelungen in Paris scheinbar abstrakte Kompositionen sind, sind die Gemälde nach den Aufnahmen von den Lastwagen scheinbar figurativer, narrativer. Es bleibt aber festzuhalten, dass der Grad der Abbildung von Wirklichkeit in beiden Gruppen gleich ist. Bei den Spiegelungen aus Paris führt van den Broek nur eine weitere Ebene ein, nämlich die Spiegelung von Wirklichkeit in der Wirklichkeit.

Details

Zeitraum:
Beginn:
21. Januar · 16:00
Ende:
26. März · 17:00
Thema:

Veranstaltungsort

Galerie Philipp von Rosen
Aachener Str. 65
Köln, 50674
Telefon:
0221 270 56840
Website:
https://www.philippvonrosen.com

Veranstalter

Warisa Ramcilovic
E-Mail:
wr@philippvonrosen.com