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HELLA BERENT AUTOBIOGRAFIE I die erlebte Geschichte

24. Mai · 7:3024. Juni · 17:00

Hella Berent

“Seit Jahren arbeite ich daran, eine Linie zu setzen, die alles enthält“

Dieses Zitat aus einem Gespräch mit Hella Berent anlässlich ihrer aktuellen Ausstellung „Autobiografie I“ im Kunstverein Leverkusen macht bereits deutlich, welch zentralen Stellenwert die Linie, die Zeichnung in ihrem Werk beansprucht. „Alles geht bei mir von der Zeichnung aus. Sie ist von jeher mein Zentrum, oder sagen wir besser, mein Anfang und mein Resultat – und dabei geschieht eben alles über die Linie.“ Ob auf dem Papier oder auf der Wand, Hella Berent erobert mit der Linie die Fläche, löst einzelne Linien aus der Verdichtung heraus, führt sie so, dass sie einen weiteren Ort für ihre Setzung finden. Mit der Linie
tastet sie die Fläche nach der in ihr verborgenen Räumlichkeit ab, lässt diese vor allem dort erkennbar werden, wo Linien auf Leere treffen, diesem nicht nichts seienden Nichts.
Fläche und Raum sind zwei zentrale Themen ihrer, wie Hella Berent sagt, „extended drawings“, eng verbunden mit dem Begriff der Entgrenzung, der Auflösung von „Materie“, von Form. Unter Materie versteht Hella Berent auch die Wand, die Wand als einen Teil des Raumes, als die Markierung von Innen und Außen, als Grenze, als Abgrenzung, als Definition. Die Wand aufzulösen, sie als Fläche zu überwinden ermöglicht ihr vorzudringen in den Raum. Dieser Zeichnungs-Raum gilt ihr als emotionaler Raum, als Denk-Raum, ja als Daseins-Raum. In diesen Räumen heißt es sich immer wieder neu zu verankern, zu verorten, nach wie vor, wenn auch heute sehr viel freier als zu Beginn ihrer künstlerischen Arbeit, als ihr eigener Körper noch erkennbarer Ausgangspunkt von Zeichnung und Installation war.
Obwohl sich also schon lange in ihrem Werk nichts Figürliches mehr ausmachen lässt, ist da auch heute noch diese körperliche Präsenz in der Art und Weise, wie die Linie geführt wird – als teils flüchtige Spur einer Bewegung in Fläche und Raum. Einer Bewegung der Hand natürlich, doch letztlich vor allem einer Bewegung, wie sie sich, basierend auf Gesehenem und Gelebtem, zeichnerisch manifestiert – im Loslassen, Binden, Konzentrieren, Freisetzen von Linien, Farbspuren, Verläufen. Eine ungeheure Dynamik, ein steter Wechsel von Verdichtungen und Leerstellen, von Transparenz und Dichte kennzeichnen diesen Prozess der Artikulation. Des, wenn wir so wollen, Entstehens einer gezeichneten „Autobiografie“, um den Titel dieser Ausstellung aufzunehmen. Denn ihre Arbeiten sind eng verbunden mit den Empfindungen der Künstlerin, mit ihrer Gedankenwelt, ihren auf zahlreichen Reisen in den Nahen Osten gesammelten Erfahrungen und visuellen Eindrücken. Und doch sind ihre Formulierungen offen genug, auch die Assoziationen des Betrachters zu ermöglichen, sie aufzunehmen und ihn zu seiner eigenen gedanklichen Bewegung auf der Fläche einzuladen, ja ihn aufzufordern.
Sind ihre Zeichnungen in ihrer Ungegenständlichkeit stets ein offenes Gegenüber, ein offener Gesprächspartner, so behaupten sich ihre keramischen Skulpturengefäße als ein klares körperliches Gegenüber im Raum. Glasiert in diesem Blau als der Farbe des Himmels und des Wassers, dem Blau, dessen Vielfalt sie auf ihren Reisen durch den Nahen Osten immer wieder erlegen ist – von Kobalt bis Türkis.
Als farbige Hohlkörper besetzen sie großformatig den Raum, schaffen einen Ort, schaffen Realität. Ihre blauglasierten Oberflächen jedoch bergen in sich jene Weiten und Tiefen, in den wir uns verlieren könnten, wäre da nicht die unumstößliche Präsenz ihres Trägers, die uns an diesen Ort in die Jetztzeit zurückholt. Um uns beinahe im selben Augenblick wieder zu verlieren an die Schönheit der arabischen Kaligrafie, in der Hella Berent ihre Gedichte aufgetragen hat.

Und so nimmt auch hier erneut der Wechsel zwischen Entgrenzung und Verdichtung, Auflösen einer Form durch die Farbgebung eine entscheidende Rolle ein – wie in den Zeichnungen, in denen Hella Berent durch das Setzen ihrer Linien Raum entstehen lässt – Freiraum, gedanklichen Freiraum.

Susanne Wedewer-Pampus
Mai 2018

Details

Zeitraum:
Beginn:
24. Mai · 7:30
Ende:
24. Juni · 17:00
Thema:

Veranstaltungsort

Kunstverein Leverkusen Schloss Morsbroich e.V.
Heinrich-Heinemann-Str.80
Leverkusen, 51377
Telefon:
01605532225
Website:
www.kunstverein-leverkusen.de

Veranstalter

HELLA BERENT
E-Mail:
hella@hellaberent.de