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Ani Schulze – 7 Follies

2. Mai · 20:0022. Juni · 20:00

In der raumgreifenden Installation 7 Follies der Künstlerin Ani Schulze entfalten sich einzelne Skulpturen und Materialien wie ein Parcours zu einem Gesamtbild, das Fragen zur Stabilität der materiellen sowie virtuellen Welt aufwirft und unsere Verortung in jener umkreist.

Eine Fließbandkonstruktion erstreckt sich mit einem Gebilde aus Gittern, textilen Formen und Keramiken durch den Raum der artothek. Die Installation akkumuliert Kleinskulpturen verschiedenster Materialien und Techniken, die einen Kreislauf entwerfen. Wechselwirkungen und Verschmelzungen zwischen natürlichen und technologischen Zyklen werden ebenso angedeutet, wie Konnotationen zur Datenaufbewahrung und -übertragung zum Körper. Zugleich liegen anthropomorphe Wesen erschöpft auf dem Rücken, mit geplatzten, aufgerissenen Bäuchen. Haben sie sich überfressen oder wurden ihre Verarbeitungsorgane ausgeschlachtet? Die Arbeiten verfügen über diverse Eigenschaften: Sie sind Motiv und Körper, die in sich Themen von Verfall und Skelett, Flexibilität und Stillstand verhandeln. Skizzenhafte Formen und der Einsatz von schier rohem Material treffen auf ästhetisch aufgeladene Oberflächen. Dabei vollziehen diese Elemente eine Choreografie, die in ihrer Offenheit vieldeutig bleibt, obwohl sie nichts versteckt und alles preis zu geben scheint.

Der Ausstellungstitel 7 Follies versteht sich als eine Art Versprechen und erinnert im ersten Moment an den Beginn einer märchenhaften Erzählung. Der englische Begriff „Folly“ wird vom französischen „folie“ abgeleitet, was Albernheit oder Wahnsinn bedeutet. Diese Verwendung lässt gegenüber den wesensartigen Skulpturen Assoziationen von gebeutelten Narren einer Schlaraffenland-Utopie aufkommen. Zugleich wirken diese Figurationen, die unter ihren Erschöpfungssymptomen und ihrer Passivität zum Erliegen kommen, wie Sinnbilder unseres fortschreitenden, neoliberalen Gesellschaftssystems.

2.5. – 22.6.2019

In Schulzes künstlerischer Auslotung des Begriffs kommt auch die Referenz an architektonische Garten- oder Landschaftsstrukturen zum Tragen. Als solche sind Follies in der Regel künstliche Ruinen, die sich nicht harmonisch an ihre Umgebung anpassen, sondern bewusst aus dieser herausragen. In der Installation spielen besonders die architektonischen Keramiken – die zwischen den anthropomorphen Skulpturen auftauchen – humorvoll mit den Merkmalen des Artifiziellen und Sich-Hervorhebens. Diese Bedeutungen verwebt die Künstlerin mit industriell gefertigten Strukturen wie dem dichten Fließbandgitter. In dieser sich ergebenden Konstellation sind die formalen Erscheinungen von technologischen Datencentern reflektiert, die als autark und jeglichem Desaster standhaltend proklamiert werden.

Details

Zeitraum:
Beginn:
2. Mai · 20:00
Ende:
22. Juni · 20:00
Thema:

Veranstaltungsort

artothek – Raum für junge Kunst
Am Hof 50
Köln, 50667
Telefon:
0221/221-22332
Website:
www.museenkoeln.de/artothek

Veranstalter

Astrid Bardenheuer
E-Mail:
astrid.bardenheuer@stadt-koeln.de