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Anders Dickson FUTURE OF THE AMERICAN LAWN

21. April 2017 · 7:0020. Mai 2017 · 16:00

ANDERS DICKSON
FUTURE OF THE AMERICAN LAWN

ZERO FOLD zu Gast bei Jagla Ausstellungsraum
Hansaring 98, 50670 Köln
, 22.04. – 20.05.2017 Eröffnung Freitag 21.04.2017, 19 Uhr
Do / Fr 15 – 18 Uhr, Sa 13 – 16 Uhr und auf Anfrage www.zerofold.de

Anders Dickson *1988 New Richmond / Wisconsin USA, Absolvent der Städelschule (Studium bei Monika Baer und Amy Sillmann, lebt und arbeitet in Frankfurt) kreiert in Zeichnungen und Aquarellen auf Papier, Assemblagen auf der Grenze zwischen Malerei und Plastik und Installationen seinen eigenwilligen Kosmos, durchzogen von skurrilen, teils spirituellen Elementen, die sich aus dem amerikanischen Kulturkreis nähren. Verweise auf literarische Klassiker oder die Beschäftigung mit Figuren und Darstellungen aus der indianischen Mythologie werden verwoben mit Fundstücken und Alltagstopoi aus der zeitgenössischen Kultur.

In der Ausstellung Future of the American lawn geht Anders Dickson den Grenzen zwischen Privatheit und Öffentlichkeit anhand der Entwicklungsgeschichte und der Bedeutung des amerikanischen lawn nach: der privaten Rasenfläche in Vorgärten unterschiedlicher Ausdehnung – je nach Besitzstand. Auf dieser nach strengen Regeln der jeweiligen »Community« oder aber kuriosen persönlichen Geschmacksgesetzen gestalteten Projektionsfläche werden unterschiedlichste sozioökonomische, politische und psychologische Aspekte ausgetragen. Die Bedeutung des lawn hat sich seit der Entstehung im späten 18. Jahrhundert häufig gewandelt; seine Eigenschaft als Raum mit »flüssiger Identität«, der immer neue Definitionen erhält, interessiert den Künstler.

Die Fläche wird genutzt als Ort für Freizeit, Aushängeschild für Ordnung, Gutbürgertum und Prosperität, sogar als Wahlkampagnenbühne – oder im Gegenteil durch Vernachlässigung der Verwahrlosung anheimgegeben. An ihrer Ausdehnung bemisst sich die Bedeutung ihres Eigentümers, ihre Ausformung dient auch der Selbstdarstellung und verrät viel über die Gesinnung der Bewohner, bzw. unterwirft sich der sozialen Kontrolle durch die sie beobachtende Nachbarschaft. Der gezielte Ausdruckswillen wird aber nicht selten von der Natur torpediert, die sich diesen Raum zurückerobert und in eigener Weise mitgestaltet. Folglich ist der lawn einerseits eine Überwachungszone in Analogie zum von Jeremy Bentham entwickelten Architekturkonzept des Panopticons, das nach Michel Foucault die Kontrollmechanismen innerhalb der westlichen Gesellschaften exemplarisch beschreibt, andererseits oft genug Zone wachsender Entropie, in der Kräfte wirksam werden, die sich zu verselbstständigen und der bewussten menschlichen Kontrolle zu entziehen scheinen.

Analog überlässt der Künstler im Herstellungsverfahren der gezeigten Wandobjekte, die als spiegelverkehrte Abdrücke von Malerei auf hauchdünnen Aluminium-Rettungsfolien in Gips entstehen, dem Zufall einen Anteil am Werk. Als bedingt steuerbare Kopie enthalten sie Relikte der ursprünglichen detailreichen Darstellung von Rasenstücken. Der Vorgang des Aushärtens und der Abspeicherung im Gips gleicht entfernt der Entstehung von Fossilien. Die Materialeigenschaften selbst (Reflexion, hohe Brüchigkeit) sowie der Fertigungsvorgang als Transfer von Bildern beinhalten Elemente der Projektion und Spiegelung, des Erhalts, Verlustes sowie der Manipulation von Information, der Umdeutung von objektiv Gegebenem und seiner Neuninterpretation: der Erzeugung von „alternativen Fakten“. Wie in allen Werken von Anders Dickson löst sich Gegenständliches in atmosphärischen Farbzonen auf, Aufbau und Zerstörung liegen nah beieinander, physische Kraft und geistige Energie werden in ihren konstruktiven wie destruktiven Möglichkeiten spürbar.

An die Beschäftigung mit dem offenen Deutungsraum lawn geknüpft, folgt der Künstler in der zentralen Installation der Ausstellung – einer Art Puppenhaus an einem Flaschenzugsystem – seiner Begeisterung für übernatürliche Phänomene. Der komplexe pseudowissenschaftliche Apparat dient dem »nach innen Schauen« – und der Beobachtung nicht erklärbarer Aktivität von Geistern, die nicht selten gerade in den vermeintlichen Vorstadtidyllen ihren Schauplatz hat – zumindest projiziert im voyeuristischen und mitunter paranoiden Blick der neugierigen Anrainer auf das Geschehen im Nachbarhaus.
In beiden Themenfeldern schwingt die politische Brisanz der Definition, Aufteilung und Besetzung von Räumen in faktischer wie kollektivpsychologischer Hinsicht mit.

Mit der Ausstellung von Anders Dickson bei Jagla Ausstellungsraum als Auftakt nimmt Birgit Laskowski ihre Ausstellungstätigkeit unter dem Label ZERO FOLD wieder auf und führt ihr Programm in wechselnden Räumlichkeiten und flexiblen Kooperationen fort. ZERO FOLD dankt Jagla Ausstellungsraum für die Zusammenarbeit!



Details

Beginn:
21. April 2017 · 7:00
Ende:
20. Mai 2017 · 16:00
Veranstaltungskategorien:
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Veranstaltungsort

Jagla Ausstellungsraum
Hansaring 98
Köln, 50670
Telefon:
004916097398065
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Veranstalter

Birgit Laskowski
E-Mail:
birgit.laskowski@zerofold.de