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FREMDRÄUME

20. Mai 2016 · 19:0025. Juni 2016 · 16:00

FREMDRÄUME

Matthias Buch · Jürgen Meyer-Isenmann · Lucy Puls · Peter Rollny · Dennis Thies

Kuratiert von Peter Lodermeyer

Öffnungszeiten:
Donnerstag bis Freitag 15.00 – 19.00 Uhr
Samstag 13.00 – 16.00 Uhr

Ausstellungsdauer: 20. Mai bis 25. Juni 2016.
Im Rahmen der langen Sommernacht der Galerien in der Kölner Innenstadt K1 ist die Galerie am 24. Juni bis 23.00 Uhr geöffnet
Letzter Ausstellungstag: 25. Juni, 13.00 – 16.00 Uhr

Die Psychologie kennt den Begriff des „Eigenraums“, der vor allem durch den Aktionsradius und die Selbstwahrnehmung des eigenen Körpers bestimmt ist. Was darüber hinausgeht, wird als „Fremdraum“ wahrgenommen. Die Grenzen dazwischen sind fließend. So unterschiedlich die fünf in FREMDRÄUME vorgestellten künstlerischen Positionen auch sein mögen, alle entwerfen Bildwelten, die fremdartig wirken und deren räumliche (Un-)Ordnung sich auch nach längerer Betrachtung nicht völlig erschließt. Wie alles Fremde sind diese Bildräume mit der ganzen Ambivalenz ausgestattet, die das Oszillieren zwischen Bedrohlichkeit und Faszination, zwischen unheimlichen und anziehenden Aspekten hervorruft. Diese Ambivalenz wird noch dadurch gesteigert, dass die gezeigten Arbeiten zwar alle eine gewisse malerische Anmutung aufweisen, sich jedoch außerhalb oder zumindest am Rande vertrauter Grundhaltungen der Malerei bewegen.
Die amerikanische Bildhauerin Lucy Puls aus Berkeley entwirft in ihren überarbeiteten Fotografien im wörtlichen Sinne Fremdräume. Als Basis dienen ihr Aufnahmen, die sie in Räumen von Fremden aufgenommen hat, nämlich in kalifornischen Häusern, die wegen der Finanz- und Immobilienkrise der letzten Jahre zwangsgeräumt wurden. Diese Details von leeren Zimmern, in denen sich geisterhafte Spuren des noch kurz zuvor stattfindenden Lebens finden, bearbeitet Puls mit unterschiedlichsten Materialien wie Metall- und Glasstaub, mit Glimmer und chemischen Substanzen, sodass sich ein irritierendes Zusammenspiel von fotografischem Illusionsraum und materieller Oberflächentextur ergibt. Noch rätselhafter werden diese Arbeiten, wenn sie eingescannt und als hyperscharfe Pigmentprints abgezogen werden.
Auch der Kölner Künstler Dennis Thies denkt und arbeitet von der Skulptur her. Seine Arbeiten mit mehreren Schichten von Acrylfarbe auf Leinwand entsprechen nur auf den ersten Blick dem Begriff nicht-gegenständlicher Malerei, denn der eigentliche Gestaltungsakt erfolgt nicht additiv durch das Auftragen von Farbe, sondern subtraktiv, indem der Künstler gewisse Areale der Farbschichten höchst behutsam mit unterschiedlichen Werkzeugen abschabt, -wischt oder -kratzt. Das Ergebnis dieses langsamen, höchste Konzentration erfordernden Arbeitsprozesses sind faszinierende Farbphänomene wie unscharfe, oft von feinsten Farblinien begrenzte Flecken, die den Blick des Betrachters als Öffnungen in ganz eigene, assoziationsträchtige Bildräume führen.
Jürgen Meyer-Isenmann aus Waldkirch bei Freiburg verfolgt mit seinen Bildobjekten die Thematik von Identität, Differenz und Wiederholung. Obwohl die hier gezeigten Arbeiten alle derselben Serie der „Kleinen Gruppe“ angehören, sind sie durch zahlreiche vermeintliche Stilbrüche, durch gravierende Unterschiede in Material, Komposition, Format und Farbauftrag gekennzeichnet. Die formalen Eigenheiten der Arbeiten lassen sich nur sehr bedingt aus den zu vermutenden Arbeitsprozessen ableiten. Sie sperren sich beharrlich gegen den eindringenden, analytischen Blick. Genau in dieser Hermetik und Unerklärbarkeit ihrer zwischen Malerei und Objekthaftigkeit changierenden formalen Gestalt entfaltet sich ihr spezifischer ästhetischer Reiz.

Die Aquarelle des Malers Matthias Buch aus Wien sind durch ein starkes zeichnerisches Element mitbestimmt. Linien und immer wieder parallel verlaufende Linienbündel bilden ein abgekürztes, zeichenhaft verknapptes Vokabular, gleichsam kalligrafisch ausformulierte Einzelformen oder „Buchstaben“, die einander in großer Zahl überlagern und so einen ungemein dichten Bild-„Text“ hervorbringen. Das dschungelhaft wuchernde Dickicht der Farbformen und -linien erzeugt die Illusion einer undurchdringlichen, nicht mehr rational auflösbaren Bildtiefe, in der man sich als Betrachter trotz des eher kleinen Formats der Bilder in endlosen Suchbewegungen des Auges verlieren kann.

Die Arbeiten auf Papier des in Berlin lebenden Peter Rollny sind durch das überraschende Zusammenspiel zweier scheinbar unvereinbarer Elemente gekennzeichnet: hochenergetische informelle Farbspuren kontrastieren mit figürlichen, am Computer verfremdeten fotografischen Collageelementen. Obwohl Rollny immer wieder ähnliche, stark typisierte Figuren aus einem begrenzten Personalbestand verwendet, ergeben sich in jedem Bild neue Konstellationen mit jeweils eigenen, psychologisch aufgeladenen, beinahe filmisch wirkenden szenischen Spannungsverhältnissen. Stets in Schwarzweiß gehalten, wirken die Figuren in ihren kargen Räumen wie verstörende Erinnerungs- oder Traumreste, passiv, leblos und schattenhaft – und noch gespenstischer, sobald man bemerkt, dass sie aus disparaten Körperteilen zusammengesetzt sind.



Details

Beginn:
20. Mai 2016 · 19:00
Ende:
25. Juni 2016 · 16:00
Veranstaltungskategorien:
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Veranstalter

Peter Lodermeyer
E-Mail:
p.lodermeyer@gmx.de

Veranstaltungsort

Galerie schmidt contemporary
Albertusstraße 26
Köln, 50667
Telefon:
+49 (0) 221 28 06 75 01
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