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Opening: PANOS PAPADOLOULOS at MARTINETZ

19. April · 18:0022:00

Drawing yourself into corners

Drei Linien, mehr braucht man nicht, um einen imaginären Raum zu konstruieren. Zwei Wände, ein Boden, der – je nachdem, wie rum man das Bild dreht – auch eine Decke sein kann. Diese auf das Wesentlichste reduzierten Ausformungen des Gegenständlichen bestimmen die neuen Arbeiten von Panos Papadopoulos (geboren 1975 in Athen) bei MARTINETZ.

Räume, Flächen, umrissene Körperposen mit so wenig Pinselstrichen wie möglich: Panos Papadopoulos lässt der weißen Fläche, der Leere, viel Freiraum. Darin steckt aber nicht nur die Idee der Reduktion, sondern auch die des unbeschriebenen Blatt Papiers und der Doppeldeutigkeit der Sprache, die sich wie eine zweite Ebene auf seine Arbeiten legt.
Das äußert sich auch im Titel der Ausstellung, „Drawing yourself into corners“ (Die Assoziation eines psychoanalytischen Kommentars liegt nicht fern, hat Papadopoulos sich in der Vergangenheit intensiv mit Sigmund Freud und dessen Narzissmus- und Masochismustheorien auseinandergesetzt). Die Ecken haben es dem Künstler scheinbar angetan, aber nicht nur formal sondern auch als Konzept. Der Titel lässt sich etwa mit „sich etwas einbrocken“ übersetzen. Sich selbst in die Ecke drängen trifft es hier vielleicht besser.
Für Panos Papadopoulos stehen die Ecken für zwei Dinge: Einerseits ist alles offen, zu beiden Seiten bildet sich ein Raum, der genug Freiheit für Interpretationen und Vorstellungen lässt, andererseits ist die Ecke auch eine Sackgasse, aus der es keinen Ausweg gibt. Der unbegrenzten Möglichkeit an Wegen steht das Gegen-die-Wand-Laufen und Scheitern gegenüber. Die Bilder sind genau der Moment dazwischen, zwischen dem riesigen Spielraum, den das Leben theoretisch zu bieten hat, und der doch meistens begrenzt wird von einer Blockade, sei es selbstverursacht oder gesellschaftlich bedingt.

Das duale Prinzip der Ecke, das Gefangen-Sein zwischen zwei Richtungen, bezieht Panos Papadopoulos auch auf die aktuelle Malerei an sich. Es wird so viel produziert und gemalt, Techniken beherrscht und altmeisterliche Stile kopiert, es werden Bilder gemacht, um den Hunger des Kunstmarktes zu stillen und eine bestimmte Nachfrage zu bedienen. Extreme Themen oder provokante Motive haben schon lange keine Schlagkraft mehr, weil alles schon da gewesen ist, vom Bewegtbild und Internet millionenfach reproduziert. Man schwimmt mit in diesem Strom, der eine mehr, die andere weniger, aber am Ende führt fast immer derselbe Weg zum Erfolg. Gleichzeitig kursiert eine Flut an optimistischen Lebensweisheiten und Sinnsprüchen, die #Empowerment und „Don’t worry, be happy“, es wird schon alles, proklamieren, der schöne Schein der Social-Media-Realitäten tut sein Übriges. Doch so einfach ist es nicht, die weiße Wand und die Decke, die einem buchstäblich auf den Kopf fällt, sind nur einen Pinselstrich voneinander entfernt.

Panos Papadopoulos erinnert sich an einen Satz, den ein Professor, der Architekt Gustav Peichl an der Kunstakademie Wien zu seiner Klasse sagte: „Um ein guter Architekt zu sein, musst du wissen, was und wo man baut. Manchmal ist es besser, gar nichts zu bauen.“ In seinem Fall heißt das, statt gar nichts zu malen, zum Wesentlichen zurückzukehren, zu dem, was ihn unmittelbar umgibt. Das quadratische Atelierfenster bestimmt nicht nur das Licht im Raum und bietet eine spektakuläre Aussicht auf den Hephaestus-Tempel vor filmreifen Sonnenuntergängen, sondern auch das Format der Leinwände. Heute konzentriert sich sein Blick allerdings eher auf das, was vor dem Fenster passiert: Schnelle Tusche-Skizzen, die Körperhaltungen andeuten und an klassische Aktdarstellungen erinnern, in Wirklichkeit aber Freunde, die mit dem Handy in der Hand aus dem Sofa liegen, die eigenen Kinder oder die Partnerin zeigen. Darin steckt nicht nur eine besondere Leichtigkeit, sondern vor allem eine bestechende Ehrlichkeit. Eine Ecke, zwei Richtungen, und unendlich viel Raum für Imagination.

Leonie Pfennig

Image: Panos Papadopoulos, girl and lamp, Tusche auf Papier, 2018

Details

Zeitraum:
Datum:
19. April
Zeit:
18:00 – 22:00
Thema:

Veranstaltungsort

MARTINETZ
Moltkestr. 81 / Hinterhaus / 1. Etage
Köln, 50674
Telefon:
01775809048
Webseite:
www.petramartinetz.de

Veranstalter

Petra Martinetz
E-Mail:
mail@petramartinetz.de